566 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
Nachdem sie die Lawra auf diese Weise eingeschlossen und ihre Ver-bindungen abgeschnitten hatten, erwarteten Sapieha und Lissowskidie Uebergabe, denn sie waren überzeugt, dass die Lawra keinen Wider-stand wagen werde. Da das aber nicht eintraf, das Kloster vielmehrin tiefem Schweigen verharrte, so forderten sie am 29. September dieUebergabe, — wie gewöhnlich unter Versprechen von Belohnungen,und im Fall des Widerstandes Drohungen aussprechend. Selbstverständ-lich erfolgte hierauf eine Abweisung. Nun eröffnete Sapieha in derNacht vom 30. September auf den 1. Oktober die Belagerungs-Arbeiten,indem er 9 Batterieen erbaute, und zwar vom rechten Flügel beginnendin folgender Ordnung: die erste auf dem steilen Berge gegenüber derMühle, — die zweite in dem Terentjewschen Hain, — die dritte nebender Strasse nach Moskau, — die vierte auf dem Wolkuscha-Berge, jen-seits der Teiche, — die fünf übrigen auf dem Krassnaja-Gora (schönenBerge), und zwar: die fünfte dem Wodjany-Thor gegenüber, — diesechste gegen die Keller des Piwnoi-Hofes und die Kelarschen Zellen, —die siebente gegen den Kelarschen und Staats-Palast, — die achte ausdem Hain gegenüber dem Plotnitschnaja-Thurme, — und die neunteneben derGlinjany-Schlucht gegen den Thurm desKonüschennerThores.Auf dem Krassnaja-Berge hinter den Batterieen wurde ein tiefer Lauf-graben ausgehoben vom Keljarew-Teiche bis zur Glinjany-Schlucht.Alle 9 Batterien waren mit 63 Geschützen armirt, am 3. Oktober eröff-neten sie ihr Feuer, welches von da ab unaufhörlich genährt wurde, so-wohl gegen Mauern und Thürme, als auch mit Bomben und Glühkugelngegen das Innere der Lawra. Die Belagerten antworteten darauf, indemsie durch häufige Ausfälle den Feind beunruhigten.
In der Nacht vom 6. zum 7. Oktober machte Lissowski den Ver-such , sich durch Ueberfall der Mühle bei dem Podolny-Kloster zu be-mächtigen. Zum Glück war die Nacht hell, die Leute in der Mühle be-merkten Lissowski's Annäherung bei Zeiten und schlugen ihn mitVerlust zurück. Lissowski selbst erhielt eine Wunde an der Hand.Da es aber gleichzeitig dem Feinde gelungen war, einen Laufgraben andem Berge neben der Mühle, in der Kichtung auf das Krassny- (schöne)Thor auszuheben, so räumten die Belagerten, wie es scheint, von selbstdie Mühle, um vergeblichen A'erlusten an Mannschaft vorzubeugen. Am12.. Oktober war der Laufgraben bereits bis auf die Anhöhe gegenüberdem runden (Südost-) Thurme geführt, von wo aus sie Minen gegen den-selben vortrieben.
Aber der langsame Fortschritt der Minir-Arbeiten entsprach nichtder Ungeduld Sapieha's, underentschlosssich, es mit offenem Sturmezu wagen. Zu diesem Zwecke Hess er am 13. Oktober den ganzen Tag-lang seine Soldaten bewirthen, und gegen Abend rückte er mit seinem