Beraerkensvvertheste Kriege und Feldzüge. 565
Der Haupt - Acteur in der Lawra zur Zeit der Belagerung warJoassaph, welcher durch seinen flammenden Eifer für den Glaubenund das Vaterland, sowie durch seine aussergewöhnliche Festigkeit, Muth,und seine weisen Anordnungen Alle, vom Ersten bis zum Letzten, inBegeisterung versetzte. Er nahm nicht nur die Sorge für den wirthschaft-lichen Theil, sondern auch die Leitung der Vertheidigungs-Maassregelnauf sich. Die in der Lawra commandirenden Wojewoden : der OkolnitschFürst Gregor Borissowitsch Koschtscha-Dolgoruki undAlexei Golochwastow beriethen sich über Alles mit ihm und unter-nahmen Nichts ohne seine Einwilligung. Es wurden die Bewaffneten inzwei Klassen getheilt: die eine für den innern Dienst, die andre für denäusseren. Die Leute der ersten Abtheilung, Häuptlingen aus den Dwor-janen und Mönchen unterstellt, waren auf die Mauern, Thürme, Thoreund Schiessscharten vertheilt. Jeder erhielt seinen Platz angewiesen,den er in keinem Falle verlassen durfte. Die Leute der zweiten Abthei-lung waren ausschliesslich zu Ausfällen und dann auch zur Reserve be-stimmt, um Unterstützung an die Stellen der Umwallung zu bringet, woder Feind beim Sturm etwa besonders stark drängen sollte.
Wie verständig auch diese Anordnungen waren, so beruhigten siedoch Joassaph nicht vollkommen: er konnte sich unglücklicher Weisenicht ganz auf die Wojewoden verlassen. Dolgoruki war bekanntdurch seine hartnäckige und erfolgreiche Vertheidigung von Rylsk imJahre 1606 , aber — zu Gunsten des ersten Prätendenten und gegen diezarischen Truppen. Und auch auf die Ergebenheit Golochwastow'swar kein unbedingter Verlass. Deshalb hielt Joassaph es für gut,wenn er vor allem Volke und feierlich Alle einen Eid schweren Hess.Am 25. September, dem Feiertage des heiligen S ergj ei, fand die Weihealler Wojewoden, Chargirten und Gemeinen zum Kampfe gegen dieFeinde statt, Alle küssten das Kreuz beim Reliquienschreine der Moscheeder heiligen Sergjei mit dem Gelübde, »dass sie Alle treu undohne Verrath für das heilige Vaterland einstehen und bis zum letztenBlutstropfen es vor der Beschimpfung durch Andersgläubige schützenwollten«.
Inzwischen hatte Sapieha die zur Einschliessung der Lawra er-forderlichen Anordnungen getroffen. Sein Hauptlager schlug er an derDmitrower Strasse auf, Lissowski's Corps stand an dem Terentjew-schen Hain zwischen den Strassen nach Moskau und Alexandrowska.Beide Lager waren mit starken Verschanzungen umgeben. Die Strassennach Perejaslawl und Uglitsch wurden durch besondere Corps beobachtet.
schiedenen Erzählungen, besonders des Kloster-Kellermeisters Abraham Pa-lizyn, lässt sich mit Sicherheit schliessen, dass nicht über 3000 Mann in der Ver-pflegung waren.
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. 2. 37