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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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564 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

In einem von Schluchten und Sümpfen vielfach durchschnittenenTerrain gelegen, hatte die Lawra die Form eines unregelmässigen Vier-ecks von ca. 642 Werst Umfang. Die steinerne, fest gefügte Mauer,welche das Kloster umgab, hatte im Allgemeinen eine mittlere Höhe von4 Sashen*), an einigen Stellen sogar von 6 und 7 Sashen, und nirgendsunter 3 Sashen Dicke, war ausserdem aber nicht einfach voll, sondern hatteim Innern zwei Stockwerke von Gängen mit Schiessscharten, um den Gra-ben und das Vorterrain zu bestreichen. Auf den Ecken und Flanken derUmwallung standen mehrstöckige Thürme von Stein. Der den Fuss derMauern an der West- und Süd-Seite umspülende Fluss Kontschura bil-dete eine Art von natürlichem Graben .Eine Annäherung an die Süd- undNordmauer wurde durch einige Teiche erschwert. Zu der Lawra gehörteneinige Klosterdörfer, gewissermaassen Vororte, und vor der Südost-Ecke lag am Fusse des Abhanges nach der Kontschura hin das kleinePodolny-Kloster. Bei der Annäherung Sapieha's wurden alle ausser-halb der Lawra gelegene Gebäude niedergebrannt, damit der Feind inihnemkeine Deckung finde. Nur um Ausfälle besser ausfuhren zu können,wurden ausserhalb der Umwallung die Mühle an der Kontschura bei demPodolny-Kloster, und der Piwnoi-Hof an dem Ufer der Kontschura nachder West-Seite hin gelegen, erhalten. Mit einem dichten und starkenPallissadenzaun umgeben, bildete der Piwnoi-Hof gleichsam ein Aussen-werk und hatte durch einen Tainik (unterirdischen Gang) eine sichereVerbindung mit der Lawra.

Ungeheure Vorräthe an Kriegs-Material und Proviant, durch dieumsichtige Vorsorge des Lawra-Archimandriten Joassaph rechtzeitigangesammelt, sicherten den Bedarf für eine anhaltende Belagerung.Auch an Leuten war kein Mangel, sondern Ueberfluss, und zwar deshalb,weil beim Herannahen des Feindes alle Einwohner der umliegenden Ortemit Frauen und Kindern Zuflucht in der Lawra gesucht hatten, welchender mitleidige Joassaph die Aufnahme nicht verweigern mochte,obgleich eine übermässige Einengung und Verbrauch von Lebensmittelndie Folge davon sein musste. Dagegen waren der eigentlichen Ratnikinicht viele, denn ausser der nicht grossen Zahl von wirklichen Dienstthuenden Männern und einigen Mönchen, welche vordem im Heere ge-dient hatten, waren alle übrigen durchaus nicht an den Soldatendienstgewöhnte Leute. Uebrigens hatten sie sämmtlich, von Joassaph fürGlauben und Vaterland begeistert, das Gelübde gethan, sich den An-strengungen und Verrichtungen ebenso zu unterziehen wie die Ratniki.Auf diese Weise fanden sich in der Lawra doch an 3000 bewaffnete Ver-theidiger zusammen**).

*) 1 Sashen = 3 Ellen = 21 Decimetres = 7 engl. Fuss = 1 Faden. Anm. d. Uebers.**) In keiner Chronik findet sich ihre Zahl genau angegeben, aber aus ver-