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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 557

sehr nachtheilig, denn es wurde ihm schwer, die Gutsherren des zarischenHeeres lange im Dienste zu behalten. Der Usurpator hingegen wurdenicht schwächer, sondern verstärkte sich unaufhörlich: dem mit den pol-nischen Gesandten in Moskau abgeschlossenen Vertrage zuwider, kehrtekein einziger Pole von Tuschino nach Polen zurück, im Gegentheil, eskamen von Polen immer neue Zuzüge von polnischen Keiter-Abtheilungenund Fussvolk und Kasaken (Mlozki, Zborowski, Wilamowski,und später JohannSapieha). In Folge dessen suchte W a s s i 1 j i aufalle Weise den Usurpator durch Weglockung der Polen von ihm zuschwächen, welche die Haupt-Stärke und den besten Theil seines Heeresausmachten. Aber die Unterhandlungen mit den polnischen Gesandten inMoskau zogen sich resultatlos in die Länge: da jedoch beide Theile desFriedens, wenn auch nur vorübergehend bedurften, und ihn ernstlich er-sehnten, so willigten sie endlich in eine Verlängerung des Waffenstillstan-des auf 3 Jahre und UMonate, vom 20.Juli 1608 bis zum 20.Juni 1612.Die Bedingungen lauteten u. a.: Moskau solle den Feinden Polens, undPolen den Feinden Moskau's keinerlei Unterstützung, weder an Truppennoch an Gelde gewähren, Mnischek und dessen Tocher Marina,dessen Sohn und alle in Moskau sich aufhaltenden Polen nach Polen ab-ziehen und unter militärischem Schutze bis zur Grenze geleitet werden,der König und die Rjätsch Pospolitaja sollten Roszinski, AdamWischnewezki sowie alle den Usurpator unterstützenden Polen nachPolen abberufen, fortan keinem Prätendenten mehr glauben noch Unter-stützung gewähren, und endlich sollte Mnischek den Prätendentennicht seinen Schwiegersohn nennen noch ihm seine Tochter Marinageben und Marina nicht die moskauische Zariza genannt werden. Manstellte zwar dem Wassilji vor, dass die polnischen Gesandten hinter-listig seien, da er aber in dem Abschluss des Waffenstillstandes zur Zeitdas einzige Mittel erkannte, um die Polen aus dem Reiche los zu werden,so bestätigte er am 25. Juni den Vertrag durch seine Unterschrift undging seinerseits sogleich an die volle Ausführung desselben, indem erdie Gesandten entliess und sie mit militärischem Geleit durch Uglitsch,Twer und Bjelaja an die Smolensker Grenze brachte.

Er wurde aber durch die Polen furchtbar betrogen: der Usurpatorschickte am 12. August Zborowski mit 1000 Mann polnischer Reitereiaus, die nach Polen escortirten Polen zu ergreifen. Dieser marschirte soschnell, dass er in vier Tagen über 350 Werst zurücklegte und die Polenvor Bjelaja einholte. Der sie begleitende Dolgoruki war schwächeralsSapieha, setzte ihm keinen Widerstand entgegen und begab sichnach Moskau zurück, nur noch von wenigen seiner Leute begleitet, dader grösste Theil sich unterwegs in ihre Heimath zerstreut hatte. Zbo-rowski aber führte Mnischek nebst Tochter und Sohn zurück. Zu-