Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 555
Moskau concentrirt hatte, befahl Wassilj i auch auf der entgegengesetz-ten Seite der Stadt dem Bojaren Nagom , Fürsten Gagarin und demStrelitzen Golowa Duvow mit einem Theil der Kräfte die Verschanzungjenseits der Jausa am Taganschen Thore zu besetzen.
In diesen Stellungen blieben beide Theile sich ungefähr zwei Wochenlang unthätig gegenüber stehen. Der Usurpator hoffte wahrscheinlichdurch Verrath sich in den Besitz von Moskau zu bringen, täuschte sichaber sehr darin : von den Bewohnern Moskau s konnte er am allerwenig-sten Verrätherei erwarten, denn sie hatten den Untergang des erstenPrätendenten mit angesehen und verachteten nun sich dem zweiten zu un-terwerfen, oder aber verabscheuten (wie die Mehrzahl der Dworjanen undBojaren-Kinder, — Guts-Herren) die Thaten desselben, welche grades-wegs gegen ihre Rechte und Privilegien, ihre Habe und sogar ihr Lebengerichtet waren.
Endlich waren der Prätendent und Roszinski der Unthätigkeitmüde und sannen auf einen Angriff, vorher aber wollten sie noch dieStellung der zarischen Heere erkunden. Zu diesem Zwecke schickteRoszinski am 23. Juni einige seiner Vertrauten nach Moskau, unterdem Vorwande, sie sollten sich nach den dort festgehaltenen polnischenGesandten erkundigen. Aus unverzeihlicher Nachlässigkeit wurde diesenSpionen erlaubt in Moskau einzureiten und durch das Chodynsker Lagerzurückzukehren, welches sie vollkommen erforschten. Das daraus inMoskau entstandene Gerücht von einer Aussöhnung zwischen dem Zarenund den Polen veranlasste die Truppen in den Vorsichts-Maassregelnnachzulassen , sodass sogar S k o p i n nicht wachsam blieb und dieWachen seines Lagers in der folgenden Nacht sich dem Schlafe hin-gaben! Roszinski aber hatte sich in derselben Nacht dem Lager heim-lich genähert, überfiel es vor Tages-Anbruch mit Ungestüm und gänzlichunvermuthet, machte 1400 zarische Ratniki auf der Stelle nieder, zer-streute die Uebrigen, nahm 30 Kanonen und eine Menge Fahrzeuge weg,und jagte die Fliehenden bis in die Stadt. Wassilji schickte zu ihrerUnterstützung aus den bei ihm befindlichen Truppen die Stolniki, Strja-ptschi, Shilzen und mehrere Ssotnien Strelitzen. Durch diese verstärktmachten die Fliehenden Front, warfen sich heftig auf den Feind, dräng-ten ihn zurück und verfolgten ihn bis zum Flüsschen Chimok. Hieraber wendete sich der Feind, drängte die zarischen Truppen an dieChodynka und zog sich dann in das Tuschinoer Lager zurück. DiePolen rühmten sich, dass sie die Russen endgültig vertrieben hätten, er-kannten aber doch, dass sie selbst grosse Verluste erlitten hatten, undverschanzten aus Furcht vor einem Angriff ihr Lager noch stärker mitWällen. Pallisaden und Thürmen. Die zarischenWojewoden nahmen vorden Thoren von Moskau Stellung und deckten sich durch eine Wagenburg.