Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 553
keine Gegenwehr dachte. Ein Theil der darin liegenden Truppen ent-kam, die Andern Hessen den Usurpator ein und huldigten ihm, dem Bei-spiele ihres Anführers, Fürst Seitow, folgend.
Von Bolchow zog Lisso wski mit den Saporogern, aufrührerischenBauern und einer kleinen Schaar Polen nach Kolomna, der Usurpatorund Roszinski mit der Hauptmacht nach Kaluga, wo sie an der Mün-dung der Ugra ein Lager bezogen. Seitow und seine Batniki wurden,da man ihnen Vertrauen schenkte in die Avantgarde des Heeres gestellt;aber diese hatten sich nur nothgedrungen dem Usurpator ergeben,schwammen durch die Ugra und eilten nach Moskau, wo sie angaben,dass der Usurpator nur wenige Truppen habe und gar nicht zu fürch-ten sei.
Nichts desto weniger herrschte in Moskau grosse Bestürzung. Derdahin zurückgekehrte Dimitrji Schuiski brachte nur sehr wenigTruppen mit, denn ausser dem im Kampfe erlittenen Verluste waren nochviele Ratniki unterwegs nach ihren Heimathsorten zurückgelaufen. ZumSchutze von Moskau war Wassilji genöthigt, ein neues Heer aufzu-stellen, welches unter Skopin und Iwan Nikititsch Romanow am29. Mai sich am Ufer des Flüsschens Nesnana lagerte.
Die Operationen des Prätendenten waren darum so gefährlich, weilsie ganz in demselben Geiste geführt wurden, wie vordem von B o 1 o t -nikow, d. h. die Leibeigenen und Bauern gegen ihre Besitzer undGrundherren aufwiegelten und bewaffneten, wodurch das gemeine Volkin Massen zum Prätendenten gelockt wurde. Die in Furcht gesetztenDworjanen und Bojaren-Kinder verliessen ihre Häuser und flüchtetensich mit Frauen und Kindern nach Moskau. Auf diese Weise warensämmtliche jenseits der Oka gelegene Städte ohne Schutz und gezwun-gen, sich dem Usurpator zu ergeben.
Verrätherei aber und Desertion fanden ihre Anhänger bis in diehöchsten Klassen unter Ehrgeizigen oder Feiglingen. So hatten dieFürsten Katyrew, Trojekurow und der ausKromy entflohene Trü-be z k o i den Schrecken benutzt, welcher im Lager an der Nesnana durchdas Gerücht, dass der Feind dasselbe umgehe und eine andere Strassenach Moskau einschlage, entstanden war, und suchten die Ratniki zumVerrath zu überreden. Ihre böse Absicht wurde aber bei Zeiten entdeckt:sie wurden ergriffen und nach Moskau gebracht, wohin Wassilji auchSkopin mit dem Heere kommen Hess, welches sich danach aber wenigzuverlässig erwies.
Am 1. Juni ging der Prätendent über die Moskwa und bezog einLager bei dem Dorfe Tuschino, 15 Werst westlich von Moskau an derWolokolamsker Strasse. An den folgenden Tagen kam es vor Moskauzu häufigen kleinen Scharmützeln. Doch wagte der Usurpator keinen