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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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552 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

hätte, unter Mitwirkung derselben deutschen Befehlshaber, auf derenVerrätherei der Usurpator gehofft hatte, die aber so betrunken waren,dass sie ihre bösen Pläne vergassen, und deren Untergebene, Nichts vondiesen Absichten ahnend, ehrlich und tapfer ihre Schuldigkeit thatenund den Polen recht erhebliche Verluste beibrachten. Das sich inzwischenwieder sammelnde zarische Heer machte einige Werst vom Schlachtfeldeentfernt wieder Halt.

Am folgenden Tage rückte das Heer des Prätendenten vor und derKampf begann von Neuem, jedoch ohne besondere Anstrengungen aufbeiden Seiten. Das zarische Heer würde sich wahrscheinlich in seinerStellung behauptet haben, wenn Schuiski und seine Gehülfen, welcheihren Kräften nicht trauten, nicht voreilig begonnen hätten sich zumRückzug vorzubereiten und ihre Artillerie-Munition nach Bolchow vor-auszuschicken! Roszinski, der dies erfuhr, drang um so mächtigergegen die zarischen Regimenter an, welche nun, durch die ängstlichenMaassregeln ihrer Wojewoden selbst geängstigt, den Stoss der Polen nichtaushielten und in grosser Verwirrung sich zur Flucht wandten. Jetzthielt der wieder nüchtern gewordene Lam sdorf den Moment gekommen,um seine Pläne auszuführen: er führte seine Reiter zur Seite und wolltemit fliegenden Fahnen sie zum Prätendenten geleiten. Sie aber, für ihrein Moskau befindlichen Weiber und Kinder fürchtend, weigerten sichzum grössten Theile tiberzugehen und ritten den zarischen Truppen nach.Lam sdorf und die bei ihm gebliebenen kaum 200 Mann wurden vonden Saporogern niedergehauen, auf den schon früher von Roszinskigegebenen Befehl, die ihn verrathen habenden Deutschen nicht zu scho-nen. Rasch und nachdrücklich die fliehenden zarischen Truppen ver-folgend , erreichten und zersprengten die Polen deren Munitions- undGeschütz-Park. Die zarischen Wojewoden aber, in Bolchow 5000 Mannzurücklassend (unzweifelhaft lediglich geopfert) gingen, oder richtigerflohen mit den übrigen Truppen nach Moskau!

Es ist begreiflich, dass mit solchen Wojewoden es schwer war, denPrätendenten zu besiegen und nieder zu schlagen, oder auch nur ihn auf-zuhalten , ihn an weiteren Erfolgen zu verhindern, sowie das Umsich-greifen des Aufruhrs zu verhüten. Die Tapferkeit einiger weniger Woje-woden war ohnmächtig gegenüber der schimpflichen Feigheit der Andern,zu der noch ihre gänzliche Unerfahrenheit im Kriegswesen kam, dennsie commandirten nicht in Folge ihrer kriegerischen Tugenden, sondernnach ihrem Geschlechtsalter. Die numerische Stärke ihrer Truppen aberführte zu keinerlei Vortkeil, sondern gereichte nur zum Schaden, dennwie dieselben unter tapferen Wojewoden auch selbst tapfer kämpften, sowaren sie unter verzagten auch selbst feig und entflohen.

Der Usurpator brach ungesäumt gegen Bolchow vor, wo man an