546 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
Kolytschew Tula mit einem Corps zarischer Truppen, Bolotnikowaber ritt in das Lager des Zaren, warf sich Gnade flehend zu Wassilji'sFüssen — und versprach ihm treu zu dienen. Wassilji aber, der vonden Bojaren und Gutsbesitzern sehr abhängig war, konnte nur mit Müheden begnadigen, welcher deren erklärtester und schlimmster Feind ge-wesen war. Bolotnikow wurde mit dem falschen Peter, den übri-gen Ober-Anführern der Rebellen, und 52 in Tula gefangenen Deutschennach Moskau gebracht. Hier wurde der Pseudo-Peter vor dem Danilow-Kloster an der Strasse nach Serpuchow aufgehängt, Bolotnikow nachKargopol geschickt und dort ersäuft, dasselbe Schicksal traf den KasakenAtaman Nagib, und die Deutschen wurden nach Sibirien geschickt.Die vornehmen und beamteten Verbrecher aber wurden auf Anliegen derBojaren begnadigt, sodass selbst der Verräther Tel j atewski nicht alleinseine Freiheit erhielt, sondern auch sein Bojarenthum behielt! Denanderen Verräther Schachowskoi schickte man nur nach KamennajaPustynja (steinige Einöde oder Wüste) am Kubenski-See.
Die Nachricht von dem Falle Tula's veranlasste den Usurpator zuschleunigem Rückzüge auf Trubtschewsk. Wassilji hätte ungesäumtmit dem ganzen Heere gegen ihn ziehen und ihn vernichten müssen. Aberseine Macht war durch die Bojaren und Gutsbesitzer so eingeschränkt,dass er Letzteren ihre Forderung einer Ruhe nach löwöchiger Belage-rung von Tula nicht abschlagen konnte. Und obgleich er, für seine Per-son nach Moskau zurückkehrend, Skopin und Iwan Nikititsch Ro-manow mit dem Hauptheere von Tula an die Pschelna zu rücken gebotenhatte, um den Usurpator aufzuhalten, so wurde doch, auf die Nachricht,dass Jener aus Kosselsk abgezogen sei, das ganze Heer bis zum Be-ginn des Winters entlassen, und nur vor Kaluga blieb ein Beobach-tungs-Corps stehen, Sumbulow aber erhielt Befehl von Meschtschowskaus eine Recognoscirung gegen Brjansk auszuführen, und setzte sich inBesitz dieser Stadt. Um sie zu behaupten, schickte Wassilji die Woje-woden Kaschin und Rshewski hin, welche die Stadt mit Wall undVerpfählung versahen.
Um die Einnahme von Tula so hoch als möglich zu preisen und da-durch Moskau und das Reich zu ermuthigen, hielt Wassilji am 31. Ok-tober seinen feierlichen Einzug in Moskau auf einem mit rothem Tuchebeschlagenen mit vier Schimmeln bespannten Wagen, begleitet von 2000Bojaren und den Hof-Chargen zu Pferde (ganz nach dem Beispiel dergrossen Triumphe der römischen Imperatoren). In Moskau erwartetenschon Sigismund's Gesandte den Wassilji, es wurden auch offizielleUnterhandlungen mit ihnen angeknüpft, gleichzeitig kam es aber auch zugrossen Reibungen mit ihnen.
Die Unthätigkeit des zarischen Heeres nach der Einnahme von Tula