Bemerkenswertheste Kriege und Feldziige. 547
machte bald ihren nachtheiligen Einfluss bemerkbar. Die Eebellenschöpften neuen Muth, der Aufruhr breitete sich aus, und nicht nur dieentfernteren sjäverschen Städte unterwarfen sich nicht, sondern auchKaluga ergab sich nicht. Wassilji machte den im Jahre 1606 inTabor,nach B olotniko w's Niederlage vor Moskau, in Gefangenschaft gerathe-nen Kasaken den Vorschlag, ihre Schuld nun vor Kaluga zu sühnen.Die Kasaken schworen, ihm treu zu dienen und brachen, 4000 an derZahl gegen Kaluga auf. Wassilji aber verfuhr sehr unvorsichtig, in-dem er einem Eide der Kasaken traute. Ihr Ataman Bessubzow botim Auftrage Wassilji's den Belagerten Gnade an, wenn sie sich er-gäben , sie aber erwiderten, dass sie gar nicht daran dächten sich zu er-geben, nur den einen Zaren Demetrius anerkennten, der nicht zögernwerde sie zu befreien, und machten zum Beweise vun ihrer Entschlossen-heit einen heftigen Ausfall. Die Kasaken, welche nur auf die Gelegen-heit gewartet hatten, zu ihrem früheren Handwerk zurückzukehren, be-gannen nun laut und frech ihre verrätkerischen Absichten auszusprechen.Die darüber erschrockenen zarischen Wojewoden fanden aber nichtsBesseres zu thun, als eiligst nach Moskau zurückzukehren, die Ka-saken in ihrem Lager mit vielem Pulver und Proviant zurücklassend. Amfolgenden Tage baten die Kasaken, dass man sie in Kaluga einlasse,allein der dort commandirende Pole Skotnizki liess sie nicht ein, daer ihnen nicht traute und ihr Gesuch für eine Kriegslist hielt. Nun be-schlossen sie zum Prätendenten zu gehen und durchschwammen die Okaunweit Kaluga. Die Einwohner aber bemächtigten sich der im zarischenLager zurückgelassenen Vorräthe an Pulver und Lebensmitteln undschickten nun den Kasaken nach, um sie zur Umkehr zu bewegen. Diesejedoch, durch die erste Weigerung gekränkt, setzten ihren Weg fort, nur100 von ihnen kehrten um.
Indessen hatte der Usurpator Verstärkungen aus Polen erhalten,obgleich nur schwach an Zahl, im Ganzen nur 200 Mann, aber dadurchbedeutend, dass sie von dem aussergewöhnlich befähigten Oberst Lis-sowski befehligt wurden, einem gewandten Parteigänger, kühn, unter-nehmend, und erfahren im Kriegswesen. Auf seinen Kath entschloss sichder Prätendent, in Anbetracht der Entlassung des zarischen Heeres, zurOffensive über zu gehen, brach aus Trubtschewsk vor und belagerteBrjansk. Aber die darin befindlichen Kaschin und Kshewski warenzu tapferster Gegenwehr fest entschlossen, obgleich sie nur wenige Vor-räthe hatten.
Zur selben Zeit trat die Pest der Prätendenten-Wirthschaft auch amentgegengesetzten Ende des Reiches auf, in den untern Wolga-Steppen,wo fast gleichzeitig 10 Prätendenten auftraten, welche sich für irgendwelche von ihnen ersonnene, gänzlich unberechtigte, nie existirt habende