Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 545
Kasan nach im Ganzen 1 Monat genommen worden war. Die möglichstschnelle Einnahme von Tula war, wie gesagt, unerlässlich, um sofort dasBelagerungs-Heer gegen den Usurpator wenden und ihn entscheidendbesiegen zu können. Die sich in die Länge ziehende Belagerung vonTula war unter allen Umständen für Wassilji äusserst schädlich, undfür die Belagerten, für alle Empörer und den Prätendenten vortheilhaft.Das Belagerungs-Heer langweilte sich, ward niedergeschlagen, verlorden Muth, der Tataren-Fürst Urussow, seinen Eid brechend, zog mitseinen Mursen nach derKrym ab, Wassilji aber und seine Wojewodenwaren unschlüssig, welche Mittel sie zur raschesten Besiegung von Tulaanwenden sollten. Die Belagerten dagegen, obgleich an LebensmittelnMangel leidend, verloren den Muth nicht, kämpften und wehrten sichverzweifelt, nicht allein in der Stadt, sondern auch indem sie unaufhör-lich Ausfälle machten.
Aber als Wassilj i und seine Wojewoden schon an der Möglichkeiteiner Einnahme von Tula verzweifelten, trat ein einfacher Bojaren-SohnausMurom, Thomas Sumin Krowkow mit dem Vorschlage hervorTula unter Wasser zu setzen, wenn man ihm Arbeiter gebe. Was-silji und die Wojewoden belächelten diesen Vorschlag, da sie aber diefeste Ueberzeugung vom Gelingen bei Krowkow erkannten, so willigtensie endlich ein. Auf seine Anweisung begann man die Upa 3 Werst unter-halb Tula durch Balken und Stroh, worüber eine Erd-Aufschüttung ge-bracht wurde, zu verdammen. Das Wasser im Fluss begann rasch zu stei-gen, und nun vermehrte man die Arbeiter und die Arbeiten. Das Endewar, dass der Fluss aus den Ufern trat und nicht nur die ganze Stadtumströmte, sondern auch ins Innere drang, sodass man in den Strassenauf Flössen verkehren musste. Alle Verbindungen nach aussen wurdendurch das Wasser unterbrochen (und das hatten 100000 Mann 3 Monatelang durch eine enge EinSchliessung nicht vermocht!); für die Belagertenwurde es unmöglich Proviant-Zufuhr von aussen zu erlangen, die Vor-räthe in der Stadt waren erschöpft oder im Wasser, — es kam soweit,dass die Belagerten Pferdefleisch, Hunde, Mäuse, sogar faules Obst undRindsleder assen. So vollbrachte, Dank der Intelligenz Kr owkow's ,das Wasser in wenigen Tagen, was 100000 Mann nicht in drei Monatenvermocht hatten: die Belagerten, von Hunger bezwungen, entflohen täg-lich in Haufen von 100, 200, sogar 300 Mann aus Tula ins zarische Lager.Sogar Wolotnikow selbst entschloss sich, nach Berathung mit Telja-tewski und Schachowskoi, Unterhandlungen wegen der Uebergabeanzuknüpfen, wobei er gegen Auslieferung des Pseudo-Peter für sichund die übrigen Belagerten Begnadigung zu erlangen gedachte. Was-silji hielt wegen des Herannahens des Usurpators Nachgiebigkeit fürgeboten, willigte ein, und am 10. Oktober besetzte der Bojar Krük-