544 HI. Yon Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
kannte aber doch, welche neue und grosse Gefahr ihm drohte, umso-mehr, als Tschernigow, Nowgorod-Sjäverski und Putiwl den Usurpatorbereits anerkannt hatten, und auch Brjansk bereit war ihrem Beispiel zufolgen. Unter so bewandten Umständen war es unzweifelhaft geboten,sofort ein starkes Heer gegen den Usurpator zu entsenden, um ihn nieder-zuschlagen, bevor er stärker wurde. "Wassilji aber wagte nicht, sichvor Tula zu schwächen, aus Furcht, dass ihm dadurch die dort befind-lichen Haupt-Rebellen und seine schlimmsten Feinde aus den Händenentwischen könnten. Er hätte dann wenigstens Alles daran setzen solleu,um in kürzester Frist Tula zu überwinden (heftiges Feuer und dann all-gemeinen Sturm), und nachdem es gefallen, sich mit allen Kräften gegenden Usurpator wenden. Er beschloss aber die Belagerung von Tula fort-zusetzen und gegen den Usurpator nur mit einzelnen Corps zu operiren.Da Letzterer von Starodub auf Brjansk rückte, so befahl Wassilji demMeschtschowsker Wojewoden Sumbulow, gewandte Batniki eiligstnach Brjansk zu senden, um zu recognosciren und die Einwohner vonBrjansk für ihren Wankelmuth zu züchtigen, und gleichzeitig entsendete■er von dem Lager vor Tula Heerhaufen, um das Heer zu verstärken, wel-ches jene Stadt von der Seite der Ukraine her belagerte.
Die von Sumbulow ausgewählten 250 besten berittenen Ratnikiunter Befehl des Golowa Besobrasow eilten rasch nach Brjansk unddrangen ungehindert daselbst ein, weil ein grosser Theil der Einwohnerzur Begrüssung des schon ziemlich nahe herangekommenen Usurpatorsausgezogen war. Besobrasow zündete die Stadt an und kehrte dannschleunigst nach Meschtschowsk zurück. Der Usurpator Hess ihm nach-setzen, man vermochte aber nicht ihn einzuholen.
Die vor Tula fortgesendeten Corps bemächtigten sich der StädteDjädilow, Epifan, Krapiwna und Odojew, wodurch sie die Belagerungvon Tula gegen Süden hin deckten.
Der Usurpator, im Lager vor Brjansk stehend, befahl diese einge-äscherte Stadt wieder auszubessern, und schickte am 20. September dasFussvolk mit dem Tross nach Karatschew, wohin er bald mit der Reitereifolgte, und von hier zog er zum Entsatz des belagerten Kosselsk. Deres belagernde Fürst Mossalski wollte sich mit seinen 8000 Mann da-vor behaupten, wurde aber vom Usurpator besiegt und gezwungen, mitVerlust nach Meschtschowsk zurückzugehen.
Inzwischen hatte die Belagerung von Tula schon 3 Monate gewährt,und ohne jeden Erfolg: die 100000 Mann zarischen Truppen konnten die20000 Rebellen, welche Tula vertheidigten, nicht überwältigen. Diesbeweist einmal die verzweifelte Hartnäckigkeit, aussergewöhnliche Thätig-keit und Kühnheit der Aufrührer, dann aber auch die sehr geringe KunstSeitens der Belagerer, da doch schon 55 Jahre zuvor eine Festung wie