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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 543

und die Hauptsache kühn genug war, um sich alsPseudo-De-metrius zu geriren. Endlich entschloss sich ein Pole Mjächowezki,Glinstling des ersten Prätendenten, einen jungen von ihm angestiftetenMann als Demetrius zu bezeichnen, welcher, obschon an Gesichtszügenkeineswegs dem ersten Usurpator ähnlich, ihm doch an tollkühner Drei-stigkeit nicht nachstand. Es war ein geborener Russe, Namens Iwan,der in dem weissrussischen Städtchen Sokol als Lehrer bei den Kinderneines Geistlichen lebte.*) Er sprach gut russisch und polnisch, wusste inder Kirchenlehre Bescheid, verstand sogar hebräisch, zeichnete sich abersonst, ausser durch Tapferkeit in der Schlacht und Kühnheit in der Aus-führung seiner Pläne, nur durch die abscheulichsten Laster, Grausam-keit, Habgier, äusserste Lüderlichkeit und Rohheit aus. Mj ächo wezkigab ihm alle Details über den ersten Usurpator, und ging dann nachStarodub, nachdem er ihn über alles Nöthige instruirt hatte. Die Ein-wohner dieser Stadt, durch die Rathschläge und das Beispiel eines ihrerMitbürger, Gabriel Werewkin, verleitet, erkannten ihn ohne irgend-welchen Beweis oder Zweifel sofort als den wirklichen Zarewitsch De-metrius an. Zaruzki, obgleich er ihn auf den ersten Blick als Be-trüger erkannte, und obgleich er selbst den ersten Usurpator niemalsgesehen hatte, trug kein Bedenken, ihn für diesen zu erklären. Mj ä-chowezki, welcher in der Nähe von Starodub abgewartet hatte, wieder Prätendent daselbst aufgenommen wurde, rückte, sobald er erfuhr,dass man ihn dort mit Entzücken anerkannt habe, am selben Tage mit5000 Polen in Starodub ein, von welchen übrigens nur wenige genügendbewaffnet waren. Obgleich zu diesen bald noch einige tausend Sjäver-janer stiessen, so war doch mit diesem mangelhaften Aufgebot keines-wegs eine Ueberwältigung der grossen Macht Wassilji's vor Tula zuerhoffen. Trotzdem beschloss der Usurpator sofort ins Feld zu rücken,damit nicht durch Nichtsthun der erste Feuereifer der Sjäverjaner ver-rauche, er rechnete dabei auch auf ein Umsichgreifen der Verrätherei imzarischen Heere. In dieser Voraussetzung trieb er die Kühnheit so weit,dass er an Wassilj i das Ansinnen stellte, er solle ihm den Thron ohneBlutvergiessen abtreten! Wassilji verachtete diese Frechheit, er-

*) So erklärten Bär und Petrej seine Herkunft. In Eussland und Polen gingdas Gerücht, dass er ein Jude sei, welches sieh darauf gründete, dass zur Zeit desFeldzugs man ihn in seinem Zelte den Talmud und die Bücher der Babbiner hattelesen sehen. In dem Briefe des Zaren Michael Feodoro witsch an den PrinzenMoritz von Oranien wird er auch als Jude bezeichnet. Abraham Palizynhielt ihn für den Sohn eines Priesters, Matthäus Werewkin, verwechselte ihnaber mit dem Werewkin aus Starodub , der von seinen Mitbürgern in ihrem Inte-resse aufgereizt war. Die Nikonowsche Chi-onik bezeichnet seine Herkunft als un-bekannt.