Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
528
Einzelbild herunterladen
 

528 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

konnten es aucli gar nicht, weil der Winter mit ungewöhnlicher Strengeauftrat und sich schliesslich bei den Truppen bösartige Diarrhöen undgrosse Sterblichkeit einstellte, sodass sie in eine ganz traurige Verfas-sung geriethen.

Die Misserfolge der zahlreichen zarischen Truppen vor Rylsk undKromy vermehrten überall im Volke, sogar in Moskau , das Misstrauenund die Missstimmung gegen die Regierung und die Hinneigung zumUsurpator. Boris aber wurde immer grausamer, strafte nicht nur dieVerräther, sondern auch die, welche mit Worten unbesonnen und unvor-sichtig waren, aufs Härteste, und erschöpfte umsonst alle Mittel, um dasVolk zu belehren, namentlich in der Sjäversker Provinz, wo die gesamm-ten Einwohner den Usurpator als den wirklichen Zarewitsch Demetriusanerkannten.

Schon waren 2 1 / 2 Monate nach dem Siege vom 21. Januar 1601 beiDobrynitsch vergangen, und noch war ein erhebliches Uebergewichtweder auf der einen noch auf der andern Seite. Die Sache des Präten-denten verbesserte sich zwar ersichtlich mit jedem Tage, er hatte keineder ihm ergebenen Städte verloren, war aber doch auch nicht im Standezur Offensive über zu gehen, sondern gezwungen in der Defensive und inPutiwl zu bleiben.

Da plötzlich gab ein unerwartetes Ereigniss den Dingen eine ganzneue Wendung. Am 13. April Morgens hatte Boris sich noch mit Re-gierungsgeschäften befasst, nach dem Essen vom Tisch aufstehend fühlteer sich plötzlich unwohl. Kaum vermochte man noch ihm das heiligeAbendmahl zu geben und ihn unter dem Namen Bogoljäp zu weihen,nach zweistündigem Leiden verschied er. Sein plötzlicher Tod wurdeauf verschiedene Weise erklärt: Viele glaubten, er sei durch Anhängerdes Usurpators oder durch seine Feinde vergiftet worden, Andere meinen,dass er selbst Gift nahm. Aber da kein klarer Beweis der Vergiftung vor-liegt, auch manche Gründe gegen die Annahme einer solchen sprechen,so erscheint die Erzählung Margeret's, dass Boris am Schlagflussgestorben sei, eigentlich am wahrscheinlichsten.

Nach dem Beispiel und der Ermahnung des dem Hause Godunow'swahrhaft ergebenen Patriarchen Jowi leistete Moskau den Huldigungs-eid ruhig und einmüthig dem 16jährigen Sohne Boris', Feodor, aus-gezeichnet an Leib und Geist, von hervorragendem Verstände und Kennt-nissen , aber zu jung und unerfahren für solche schwere unruhige Zeit,um so mehr, als seine eigene Mutter, die Zariza Maria Grigorjewnaweder Gewohnheit noch Erfahrung in Regierungs-Angelegenheitenbesass.

Schon ihr erster Schritt war äusserst unvorsichtig, obgleich er geradeVorsicht zum Zweck hatte. Die Befestigung F e o d o r' s auf dem Throne