Bemerkenswertneste Kriege und Feldzüge. 527
gleich vor Kromy zu rücken und mit Scheremetjef zusammen Kroniyauf alle Fälle zu nehmen. Die Wojewoden wagten nicht ungehorsam zusein, aber das Heer war durch Boris' Vorwürfe gekränkt, und Vielein demselben begannen sich auf die Seite des Prätendenten zu neigen.
Nach Vereinigung der Wojewoden mit Scheremetjef vor Kromyhatten sie an 100000 Mann beisammen, — eine ungeheure Macht gegendie verschwindende Zahl der Vertheidiger von Kromy. Und obgleichLetztere sich zu vertheidigen entschlossen waren, so würden sie dochkaum sich zu retten vermocht haben, wenn nicht Demetrius ihnen4000 Don-Kasaken und Russen zu Hülfe geschickt, — und, was dieHauptsache war, wenn nicht die zarischen Wojewoden dieselbe unver-zeihliche Nachlässigkeit wie vor Rylsk gezeigt hätten. Trotz ihrer zahl-reichen Truppen wurde das feindliche Hülfscorps erst von ihnen bemerkt,als es sich bereits dicht vor der Stadtmauer befand, so dass sie nur nochdie Queue bedrängen, aber das Corps nicht hindern konnten, in die Stadteinzuziehen. Darüber ergrimmt beschlossen sie die Stadt nicht zu scho-nen und beschossen sie lebhaft mit Kanonen und Mörsern. Die Belagertenvertheidigten sich tapfer und mit Ausdauer, angefeuert durch das Bei-spiel ihrer Anführer Akin thiew und hauptsächlich des donschen Ata-mans Korela. Dieser Letztere, welcher der Holzmauer der Stadt nichttraute, umgab sie mit einem Erdwall und Graben, legte Hohlräume unterdem Wall an zum Schutze der Belagerten gegen Wurffeuer, und Hessaus dem Wall einige Contre-Approchen führen, aus welchen die Kasakenoft die Batterien und Trancheen der Belagerer beunruhigten, und indenen sie sich deckten, sobald die zarischen Truppen gegen sie vor-rückten.
Endlich fassten Mstislawski und die andern Wojewoden, welchesich schämten, so viel Zeit und Leute bei der Belagerung einer kleinenStadt zu verlieren, den Entschluss entscheidend gegen dieselbe vorzu-gehen. Eine Schaar von ihnen zur Nacht ausgeschickter Ratniki zündetendie Holzmauer an, sie brannte nieder, in der Stadt entstand auch eingrosser Brand, die Belagerten waren genöthigt sich in die innere Festungzurück zu ziehen, die zarischen Truppen besetzten den Wall, es bliebnur noch die Burg zu nehmen, in welcher, da sie sehr eng war, die Be-lagerten sich nicht lange behaupten konnten. Da aber fand sich leiderunter den zarischen Truppen selbst Jemand, der auf Verrath sann,Michael Grljäbowitsch Saltykow, welcher ohne Befehl oder Er-laubniss von den Haupt-Wojewoden eigenmächtig die Ratniki vom Wallführte und in die Trancheen zurück schickte. In Folge dessen kamen dieBelagerten aus der Burg zurück, löschten den Brand und besetzten denWall von Neuem.
Danach unternahmen die Wojewoden Nichts mehr von Belang,