526 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
zwungen, sein einmal begonnenes Unternehmen weiter zu führen, be-schwor er vor Allem den grossen Theil der Polen, welche nach Polenzurückkehren wollten, dass sie ihn noch nicht verlassen möchten. Zu-gleich suchte er nach Mitteln, um seine Kräfte in und ausser Russlandunterhalten zu können, schickte Tatj e w zu Sigismund mit der Bitteum Hülfe, und erliess neue Aufrufe an das russische Volk. Eine Mengevon Leichtgläubigen schenkte seinen Worten Glauben und eilten zu ihmnach Putiwl. Besonders erfreute ihn das Eintreffen von 4000 donschenKasaken, welche vor Nowgorod-Sjäverski, nicht aber vor Dobrynitschgewesen waren und inzwischen sich umhergetrieben hatten. Sigismundaber, welcher sah, welche schlimme Wendung die Angelegenheit desUsurpators nahm, mochte ihm nicht helfen und nahm Tatjew garnicht an.
Inzwischen hatte Boris, welcher von Schein die Meldung vondem Siege bei Dobrynitsch erhalten, Wojewoden und Heer reichlich mitGeld belohnt(10000 Rubel = 33,333 heutige Silber-Rubel), aber—gegendie Forderung einer gesunden Politik — den Wojewoden befohlen, dieStrenge gegen die Verräther zu verdoppeln. Die Wojewoden befolgtendas pünktlich, handelten aber zugleich sehr langsam , träge und unent-schieden und trafen in Rylsk erst einen Tag später ein, als der Präten-dent es verlassen hatte. Die Bewohner von Rylsk, von ihren Anführernden Fürsten Roschtschja Dolgoruki und Zmij ew, Anhängern desPrätendenten aufgehetzt, wollten sich nicht ergeben, die Wojewodenschritten also zur Belagerung. Die Belagerten schössen und baten denUsurpator um Hülfe, der ihnen auch 600 Polen und 2000 Russen schickte.Die Nachlässigkeit und Sorglosigkeit der Wojewoden war so gross, dassdieses Corps in der Nacht nach Rylsk durchbrechen und so die Belagertenunterstützen und ihre Ausdauer erhöhen konnte. Endlich hoben nachzweiwöchentlicher erfolgloser Belagerung von Rylsk die Wojewodendiese auf und lagerten sich bei dem Radogetzker Pfahldorf, im Koma-ritzer Bezirk, um dem sehr ermüdeten Heere bis zum Frühjahr Ruhezu geben, — und das zur selben Zeit, wo es unerlässlich war, aufsRascheste und Entschiedenste zu handeln! Statt dessen rächten sie anden Einwohnern des Komaritzer Bezirkes ihren Misserfolg von Rylskaufs Grausamste, verheerten den ganzen Bezirk, folterten und ermordetendie Einwohner.
Im Felde blieb nur noch Scheremetjef allein, welcher auf dieNachricht vom Dobrynitscher Siege sein Reservecorps zusammengezogenund Kromy belagert hatte, dessen Einwohner zur Gegenwehr entschlossenwaren.
Boris, äusserst unzufrieden mit dem Abzüge der Wojewoden vonRylsk, sprach ihnen und ihrem Heere seinen Zorn aus, befahl ihnen so-