Bemerkenswertheste Kriege und Feldziige. • 517
gleich Mnischek nicht mit Geld geizte. Der Usurpator aber wartete,bei seiner Ungeduld das Unternehmen möglichst rasch zu beginnen, nichtdas Ende jener Zusammenbringung ab, sondern brach am 15. August1604 in Begleitung von 2 Jesuiten aus Sambor auf, und traf am 30. Augustin Glinjana ein, wo die Opoltschenie (Aufgebot) sich sammeln und besich-tigt werden sollte. Dabei ergaben sich im Ganzen nur 500 Mann Fuss-volk und 1100 Mann Reiterei, in 5 Chorugwj getheilt: das des Zaren,das des Sohnes von Jurji Mnischek, vonDworshizki, vonFredro,und von Nieborski. Zum Hetman dieses Aufgebotes erwählte die• Schljachta Jurji Mnischek, zu seinen Gehülfen wurden die OberstenShulizki und Dworshizki ernannt.
Am 3. September zog diese Handvoll Leute von Glinjana nachKiew, wohin auch die andern Schljachtitzen Banner zu rücken Befehlhatten, je nachdem sie gesammelt und bereit seien. Als sie sich Kiewnäherten, wurden der Prätendent und Mnischek durch das Erscheinenvon einigen 1000 Mann des Fürsten Ostroshski beunruhigt, und da siederen Angriff fürchteten, so trafen sie grosse Vorsichts-Maassregeln. Os-troshski aber hatte gar nicht diese Absicht, sondern beschränkte sichdarauf, sie zu beobachten und die Bewohner der Wojewodschaft Kiewgegen das Plündern durch Mnischek's Aufgebot zu schützen.
Am 7. Oktober in Kiew angelangt, stiess der Usurpator hier auf einunerwartetes Hinderniss: auf Anordnung Ostroshski's waren sämmt-liche Dnjepr-Uebergänge beseitigt. Einige Tage gingen hin mit Auf-suchen von Materialien und Stellen zum Uebergange, erst am 13. Oktoberwurde ein solcher 14 Werst oberhalb Kiew bewerkstelligt, nahe derDesna-Mündung. Noch vorher fand sich beim Prätendenten vom Donher die erste Verstärkung ein, 2000 Kasaken, welche Swirski heran-führte, sodass Jener nun im Ganzen etwa 4000 Mann bei sich hatte, mitwelchen er über die russische Grenze zu rücken und den Krieg gegenGodunow zu beginnen beschloss.
Nach Ueberschreitung des Dnjepr ging er am 16. Oktober über dierussische Grenze und schlug sein Lager jenseits Swaromj auf, am 17.jenseits Shukin. Sein Einrücken in das Sjäversche Gebiet erregte dieganze Bevölkerung desselben, welche, Godunow hassend, den Präten-denten überall mit Freuden aufnahm und mit Brot und Salz empfing.Der erste russische feste Ort auf seinem Wege war das Schloss Mu-romsk. Aber als der Usurpator noch 34 Werst davon entfernt stand,schickten die Einwohner schon und Hessen ihm sagen, dass sie sichunterwerfen. Am 19. Oktober zog er nach Muromsk und machte 10 Werstdavor bei Poltschowa Halt. Dahin führten die Bewohner von Muromskihm ihre Wojewoden Lodygin und Besobrasow gefesselt zu. DerPrätendent hielt es nöthig, seine ersten Handlungen durch zarische
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. 2. 34