Bomerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 515
Angelegenheit doch allgemeinen Zweifel, den Argwohn, zuletzt dieUeberzeugung, dass Demetrius' Tod nur für Godunow nöthig warund dass der Zarewitsch den von diesem gesendeten Mördern zum Opfergefallen sei. Der Umstand, dass Feodor keine Kinder hatte und nachseinem Tode Godunow den Thron bestieg, bestätigte dies.
Es entstanden Erklärungen und Muthmaassungen darüber, und seitdieser Zeit wendete sich allmählich die Liebe des Volkes von Godunowab, und mehr und mehr erregte er Unzufriedenheit durch verschiedeneMaassregeln und Handlungen. Dahin gehörten: seine ausserordentlicheStrenge in Verfolgung der oben angeführten Laster, welche zu jener Zeitsehr verbreitet waren; die heimliche Aufsicht, verbunden mit Ohren-bläserei, Angeberei und sogar gewaltthätigen Maassregeln zur Aufrecht-haltung der inneren Buhe und Vorbeugung von Unruhen, sein Argwohnund Misstrauen gegen eingeborne Russen , seine Bevorzugung Fremderund offene Parteilichkeit für diese, — mehr als Alles aber die Abän-derung des Gesetzes über die Auswanderung der Bauern und ihre festeVerbindung mit dem Grundstück, auf welchem sie ansässig waren (mitAusnahme der den kleinen Gutsbesitzern gehörigen Güter). Es ist demnoch hinzuzufügen, dass aussergewöhnliche, das ganze Volk einige Jahrenacheinander betreffende Missstände, •— Missernte, Hunger, Seuchen,trotz aller Bemühungen Godunow's Erleichterung zu schaffen, die Ge-müther noch mehr zu Aufruhr, Aberglauben und Leichtgläubigkeit —nicht zu Gunsten Godunow's geneigt machten.
Bei dieser Disposition der Geister im Volke verbreitete sich plötzlichim Jahre 1604, dem sechsten der Regierung Godunow's , das Gerücht,dass der Zarewitsch Demetrius seinen Mördern entkommen sei und inLithauen lebe! Es ist leicht zu begreifen, welche neue Bewegung das inden Gemüthern hervorbrachte. Auch Godunow beunruhigte sich undtraf zunächst Maassregeln zur Erforschung und Aufklärung des Todesdes Zarewitsch Demetrius und über sein vermeintliches Auftreten inLithauen. Es ergab sich, dass der Zarewitsch wirklich in Uglitsch um-gekommen war, und dass der Mensch, welcher sich in Lithauen seinenNamen beilegte, nachweisbar der dorthin entflohene Hierodiacon desTschudow-Klosters in Moskau, Gregor Otrepj ew war. Godunowtheilte dies an Sigismund mit und sendete den leiblichen Onkel desPrätendenten, einen Mönch desselben Tschudow-Klosters NamensOtrepj ew , an die polnischen Granden.
Aber weder Sigismund noch die polnischen Grosswürdenträgerschenkten Godunow's Beweisen gegen den Prätendenten Glauben,.sondern glaubten vollkommen an die erlogenen Erzählungen und Be-weise des Letzteren, — vor Allen die Fürsten Adam und KonstantinWischnewezki in Volhynien , sodann Jurji Mnischek, Wojewode