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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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514 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

V. Russische Kriege während der Zeit der Unruhen(1604-12).

§. 198.Krieg Boris Godunow's mit dem ersten Prätendenten (160405).

Als Johann IV. starb, hinterliess er nur zwei Söhne. Feodor denälteren, der dritte aus seiner erstenEhe mit Anastasi a Romanowna seinen rechtmässigen Nachfolger, aber schwachsinnig, siech, unfähigden Staat zu regieren, und den jüngeren, den zweijährigen Dimitrji(Demetrius), aus seiner siebenten Ehe mit Maria aus dem Ge-schlechte Nagi. Die Schwäche und Unfähigkeit Feodor's kennend,hatte Johann zu dessen Hülfe, wie schon oben gesagt worden, einenhöchsten Eath von fünf der vornehmsten Bojaren eingesetzt, dem De-metrius gab er Uglitsch als Theil, wo dieser auch unter der Aufsichtseiner Mutter und seines Onkels, Nagi, lebte.

Nach Johann's Tode wurde Boris Godunow, als der leiblicheBruder von Feodor's Gemahlin, der Zarina Irene, und besonderswegen seiner ungewöhnlichen Fähigkeiten und staatsmännischen Bega-bung , während der 14jährigen Herrschaft Feodor's die Seele der Re-gierung und beherrschte den Staat im Namen des Zaren, aber nachseinem eigenen Willen. Und er regierte so weise, dass nach der drücken-den Herrschaft Johann's das moskauische Reich sich glücklich fühlte.Die grosse Mehrheit der Bevölkerung liebte Godunow, nach Angabenvon Zeitgenossen , weil er viel Nützliches einführte. die Bestechlichkeithasste, die Völlerei, den Branntwein-Verkauf, Stehlen und Rauben u.s.w.strenge bestrafte und verfolgte, und »ein klarer Kopf, gnädig und dasgute Essen liebend« war. Nur eine Minderheit mochte ihn nicht undzürnte ihm, und diese bestand, wie die Zeitgenossen sagen, »aus denRangobersten des russischen Landes«, d. h. also vornehmen Adligen.

Aber im Jahre 1591, dem achten der Regierung Feodor's. warfein unvorhergesehenes Ereigniss einen finstern Schatten auf Godunowund erkältete die Liebe des Volkes zu ihm. Am 15. Mai dieses Jahreswurde der neunjährige Zarewitsch Demetrius in Uglitsch ermordet,und obgleich durch die Untersuchung über seinen Tod, auf Godunow'sBefehl, anerkannt wurde, dass der Zarewitsch bei einem Anfall derfallenden Sucht sich selbst mit ,'dem Messer gestochen habe und wegenihrer Nachlässigkeit die Mutter in ein Kloster gesperrt und der Onkel inden Kerker geworfen, und die Bewohner von Uglitsch wegen Empörungund Ungehorsam nach Sibirien geschickt wurden, so erregte diese dunkle