496 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
des 15. und Anfang des 16. Jahrhunderts aus den alten tatarischenUlussen die Wogulitschen und Ostjaken ein mächtiges Zaren-Reich ge-bildet, dessen Hauptstadt Isker oder Sibirj war (16 Werst vom heutigenTobolsk). Es erkannte die Herrschaft der Nogaien-Fürsten an, von deneneiner Namens Ediger im Januar 1555 Gesandte zu Johannn nachMoskau schickte mit der Bitte, sein (Ediger's) gesammtes Land inseinen Unterthanen-Verband aufzunehmen, ihm Tribut aufzuerlegen undes gegen seine Feinde zu beschützen. Johann erfüllte die I. und2. Bitte, der weiten Entfernung wegen konnte er aber die 3. nicht er-füllen, d. h. Ediger und sein Land nicht vor Feinden schützen, wasdieser besonders gewünscht hatte. Die Lage des sibirischen Landes wardaher nicht recht sicher: nach dem alten Gebrauche der Tataren, inAsien wie in Europa, befehdeten sich ihre Fürsten unter einander undvertrieben sich gegenseitig aus ihren Besitzungen. So wurde auchEdiger durch den Kirgis-Kaisaken-Khan Kutschum verjagt, welcheranfänglich sich auch zur Tribut-Zahlung an Johann verpflichtete, dannaber — zu derselben Zeit, als Adaschew den Johann zur Zerstörungder Krym-Horde aufforderte, Johann aber nur. an die Eroberung vonLivonien dachte, — schon nicht mehr ihm tributfähig sein wollte, sichaller Länder vom Ural-Gebirge bis zum oberen Obj bemächtigte, mitGewalt die Eingeborenen zum mahomedanischen Glauben bekehrte, dieKirgis-Kaisaken mit ihnen vereinigte, freundschaftliche Verbindungenmit den Nogaien anknüpfte, und sogar feindlich gegen Johann aufzu-treten begann, indem er die Tscheremissen zur Empörung aufreizte undmehrmals Streifzüge in die Provinz Perm unternahm.
Mit den Angelegenheiten im Westen beschäftigt wollte Johann seineKräfte nicht theilen, um mit einem Theile derselben in das entferntetransuralische Land zu dringen, zu dem Zwecke der Unterwerfung Kut-schum's durch Gewalt der Waffen. In dieser Zeit waren im PermschenLande 2 reiche Salzbergwerks-Besitzer, die Brüder Jakob und Gre-gorji Stroganof, welchen auch Salz-Siedereien an der Wytschegdagehörten, auf die Idee gekommen, Johann vorzuschlagen, dass sie mitihren eigenen Mitteln das Permer-Land gegen die nogaiischen und sibiri-schen Räuber schützen wollten. Johann ging gern auf diesen Vorschlagein, gab ihnen das Land bis zur Kama und Tschussowaja nebst vielenFreiheiten, — so z. B. erlaubte er Forts zu erbauen, Colonieeu anzulegen.Geschütze und Gewehre, Kanoniere und bewaffnete Männer zu halten,alle Arten von Leuten bei sich aufzunehmen, ausgenommen Deserteure,über sie zu regieren und Recht zu sprechen, ohne von den permschenStatthaltern des Zaren abhängig zu sein (1558). In Folge dessen grün-deten die Stroganof's mehrere Forts und Städtchen an den FlüssenTschussowaja und Sylva, bildeten ein besondres Heer aus Brodjagen