Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 495
Zum ersten Male schloss Russland mit Polen und Lithauen einen so un-günstigen und so wenig ehrenvollen Frieden, und wenn es nicht nochmehr abzutreten brauchte und sich in seinen alten Grenzen erhielt, so ge-bührt dafür die ganze Ehre der Stadt Pskow und dessen verdienstvollenVertheidigern, welche in Wahrheit Russland aus grosser Gefahr gerettetund vor noch grösseren Opfern und Demüthigungen bewahrt hatten.
Am 4. Februar 1582 brach Zamoiski von Pskow nach Livlandauf, um von den Russen die Städte und Festungen daselbst in Empfangzunehmen. Erst an diesem Tage, nach einer Einschliessung von 6 Mo-naten und 10 Tagen (seit 26. August 1581) öffneten sich endlich dieThore des geretteten Pskow, zur grossen Freude der Bürger. Nicht sowar es in Livland, wo die seit Langem dort ansässigen russischen Ein-wohner mit ihren Familien und ihrer Habe in grosser Betrübniss undunter heissen Thränen gezwungen waren nach Pskow und Nowgorodüberzusiedeln. Esthland verblieb in der Gewalt des Königs von Schweden,welchem Johann ausserdem noch Narwa, Jama und Koporje abtrat.
Der Haupt-Vertheidiger und Erretter von Pskow, Fürst IwanSchuiski, wurde von Johann mit allen Einkünften von Pskow be-lohnt. Später, als nach Johann's Tode dessen Sohn Feodor dieRegierung antrat, wurde er eines der 5 Mitglieder des höchsten Rathes,aber auch er entging nicht dem Neide und der Verleumdung, — »und umden Lorbeerkranz seines Ruhmes« — sagt Karamsin — »legte sich indumpfigem Kerker ein schmachvolles Band«.
Die Pskowiten aber setzten zum Danke gegen Gott für die Befreiung-Pskows und des Pskowopetschersker Klosters von den Polen und Li-thauern die jährliche Ueberführung der wunderthätigen Heiligenbilderaus diesem Kloster nach Pskow auf die 7. Woche nach Ostern ein (wasnoch heute geschieht).
§. 194.Eroberung von Sibirien (1558—83).
In der Zeit, als im Osten die wilden fremden Stämme, welche ander mittleren Wolga und unteren Kama wohnten, sich von der russischenBotmässigkeit frei zu machen suchten, und im Westen Polen. Lithauen,und Schweden das moskauische Reich vom baltischen Meere und den Ver-bindungen mit West-Europa abzuschneiden vermocht hatten, trugen dieNogaien-Khans nach der Eroberung von Kasan selbst bei J o h a n n dar-auf an, Astrachan zu unterwerfen, die kleinen vorkaukasischen Herrschersuchten seine Hülfe Einer gegen den Andern, und strebten ihm unterthanzu werden, und dasselbe begehrte sogar ein tatarischer Fürst jenseits desUral. Dort, an den Ufern des Tobol, Irtysch und Obj, hatten zu Ende