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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Bemerkenswertheste Kriege und Feldziige. 493

Schliessung, durch Kälte und Hunger, Mühen und Entbehrungen, unddurch Verluste geschwächt, murrte, zeigte meuterischen Sinn, forderteden Frieden und erklärte laut, dass Bathori nur deshalb um LivonienKrieg führe, um es seinen Verwandten zu geben. Die AnwesenheitBathori's hielt noch das Heer nieder, in seiner Abwesenheit konnteein furchtbarer Aufruhr losbrechen. Bathori aber setzte vollkommenesVertrauen in Zamoiski, und der Letztere rechtfertigte dies Vertrauen.Tadel, Spottreden, selbst Drohungen verachtend, dämpfte er die Empö-rung durch Strenge und belebte die Kleinmüthigen mit neuer Hoffnung,indem er sagte, dass, wenn sie standhaft und mannhaft seien, die russi-schen Gesandten in Alles willigen würden , andrenfalls aber würden sieauf ihren Forderungen beharren, die Polen ohne Frieden und ohne Ruhmsein und der Früchte so grosser Mühen, so vieler Siege verlustig gehen.Aber er hielt es nicht für Schande, eine feige und tückische List anzu-wenden , um den Haupt-Wojewoden und Vertheidiger von Pskow,Schuiski, zu verderben. Er entliess ohne irgendwelche Bedingungeneinen russischen Gefangenen mit einem grossen Koffer und Schreibeneines deutschen Namens M o 11 e r an S c h u i s k i nach Pskow, worin stand,>dass er dem Johann lange mit Fahrensbach zusammen gedienthabe, jetzt heimlich nach Pskow hineinwolle und seine Schätze in seinemKoffer vorausschicke, aus welchem er das Geld herauszunehmen undaufzubewahren bitte«. Zum Glück schöpften die Wojewoden Verdacht,Hessen den Koffer vorsichtig öffnen und fanden darin mehrere geladeneGewehrläufe (vermuthlich kurze) mit Pulver bedeckt. Der Gefahr ent-gangen, schrieb Schuiski an Zamoiski: »tapfere Männer tödtenihre Feinde nur im Kampfe«, und forderte ihn zum offenen Zweikampfeheraus, wie Bathori den Johann. Während dessen aber fuhr er wieseine Gehülfen, obgleich sie um die Eröffnung der Unterhandlungenwussten, fort unermüdlich wachsam und aufmerksam zu sein, Tag undNacht durch ihr Feuer oder Ausfälle das feindliche Heer zu beunruhigen,das schliesslich auf 26000 Mann zusammengeschmolzen war.

Unterdessen hatten die russischen Gesandten, dem Willen Johann'sgemäss, die Unterhandlungen ruhig, bescheiden, höflich, aber edel, ohnesich Etwas zu vergeben und fest geführt, ohne den dreisten Hochmuthund Stolz Possewin's und der Bevollmächtigten Bathori's zu be-achten. Ueber den Verhandlungen gingen statt 3er Tage, wie Bathoribestimmt hatte, mehr als 3 Wochen hin, und noch war es zu keinemEinvernehmen gekommen. Die russischen Gesandten traten 14 Städte inLivland ab, welche von russischen Truppen besetzt waren , Polozk mitallen Vorstädten, Oserischtsche, Uswjat. Welikie Luki, Welish, Nevelj,Zawolotschje, Cholm, und wollten nur Derpt nebst 15 Festungen in Liv-land behalten. Bathori's Gesandte hingegen forderten ganz Livland