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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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492 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc

Dieser Plan aber schien den Schweden zu gewagt, ja unsinnig. Stattdessen suchten sie, zu Bathori's Aerger, nähere, dauernde und zuver-lässige Eroberungen in Livland und den benachbarten russischen Be-sitzungen zu machen. Die andauernde Belagerung von Pskow und dieUnthätigkeit Galitzyn's und der Mstislawski's benutzend, entrissensie in den letzten drei Monaten des Jahres 1581 den Russen in LivlandLode, Fikkelj, Lealj, Gapsalj undNarwa, wo 7000 Russen umkamenund seit 20 Jahren der russische Handel mit West-Europa geblüht hatteund sich eine Menge Waaren und ReichthUmer befanden. Bald aber ver-legte der schwedische Ober-Befehlshaber in Livland, Delagardie, denKrieg von hier an die nördlichen russischen Grenzen und erregte dortFurcht durch die Wegnahme von Iwangorod, Jama, Koporje und derVeste Wittenstein.

Während aber solchergestalt Bathori im Westen, die Schwedenim Nordwesten und Norden die russischen Grenzen bedrohten, zahlreicherussische Heere ihnen unthätig gegenüberstanden, dachte Johann nichtetwa auf Abwehr des Feindes mit Waffen-Gewalt, sondern auf Aussöh-nung mit Bathori durch Vermittlung des dazu gesendeten päpstlichenNuntius Antonius Possewin, welcher sich bei Bathori im Lager vorPskow befand. Auf Berathung mit dem Zarewitsch, seinem Sohn, undmit den Bojaren beschloss er »der Notwendigkeit und der Macht Ba-thori's und der Schweden nachzugeben, Ersterem aber nur in deräussersten Noth ganz russisch Livland abzutreten, mit der Be-dingung, dass er alle seine übrigen Eroberungen zurückgebe und nichtdie Schweden in den Vertrag einschliesse, und somit die Möglichkeitbliebe, mit diesen selbst sich frei zu begleichen«. Mit dieser Instruktionwurden nun als Gesandte an Bathori der Dworjan Fürst Jelezki undder Siegelbewahrer Olferjew abgeschickt, um einen Frieden oderWaffenstillstand abzuschliessen. Zwischen Opoki und Porchow im DorfeBeschkowitschi erwarteten sie Possewin, und dieser begab sich mit ihnenam 15. Dezember in den Weiler (Dorf ohne Kirche) Kiwerowaja Gora,15 Werst von Sapolski-Jama, wo sich bereits als Bathori's Bevollmäch-tigte befanden: Wojewode Zbarashski, Marschall Fürst Radziwil,und der Secretär des Grossfürsten von Lithauen, Garaburda. DieUnterhandlungen begannen sofort, und Bathori, nachdem er seinemBevollmächtigten und Zamoiski die erforderlichen Verhaltungs-Befehlegegeben, begab sich nach Warschau, indem er sagte: »ich reise ab miteiner kleinen ermatteten Schaar statt eines starken frischen Heeres«.

Dieses Verlassen seines Heeres, wenn auch unzweifelhaft zur Er-langung neuer Geldmittel und Truppen vom polnischen Reichstage, wardennoch unter den damaligen Umständen eine grosse Kühnheit von SeitenBathori's. Sein Heer vor Pskow, durch die Belagerung und Ein-