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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 491

sich nicht ergeben«. Und mit Netschaj ef s Soldaten gemeinsam schlu-gen sie 2 Stürme erfolgreich zurück und machten sogar den jungenKetler, Neffen des Herzogs, und 2 vornehme livländische Würdenträgerzu Gefangenen.

Von nun an hatte B a t h o r i' s Heer noch mehr mit Hunger und Kälte,als mit den Pskowiten zu kämpfen. Die Schildwachen erfroren, dasHeer litt unter den Zelten von der Kälte. Die Lehensmittel schmolzensehr zusammen, die Theuerung war ausserordentlich, die Fourageursmussten 100150 Werst weit entsendet werden, was nicht ohne Gefahrgeschah, die Pferde fielen, die Kasse erschöpfte sich, an das Heer wurdekein Sold bezahlt, 3000 deutsche Söldner kehrten nach Deutschland zu-rück. Die lithauischen Wojewoden schrieben nach Lithauen: »der Königwill sein Wort halten, aber er bekommt Pskow nicht, und kann in dempskowschen Schnee zu Grunde gehen«. Wirklich konnte der Untergangdas wahrscheinliche Ende seiner Ausdauer werden: wenn Fürst J u r j iGalitzyn aus Nowgorod, Mstislawski's aus Wolok, SchuiskiausPskow gleichzeitig Bathori's Heer angriffen, so wäre es diesem ver-muthlich sehr schlecht ergangen. Aber unbegreiflicher Weise war esSchuiski allein mit seinen Gehülfen in Pskow, welche thätig und ener-gisch handelten, indem sie häufige und erfolgreiche Ausfälle machten;alle übrigen russischen Wojewoden ausserhalb von Pskow verharrten inUnthätigkeit. Galitzyn verblieb ruhig in Nowgorod, und als er hörte,dass lithauische Kasaken Russa angezündet hatten, hätte er fast dieganze Torgowa-Seite (auf dem rechten Wolchow-Ufer) niedergebrannt,da er die Belagerung von Nowgorod fürchtete, obgleich er 40000 Mannbei sich hatte. Der Grossfürst Simeon von Twer und die FürstenMstislawski mit den Hauptkräften standen unbeweglich in Wolok, umMoskau, und Johann in Staritza zu schützen. Johann selber aber,durch die Erfolge der Schweden in Livland (s. u.) sowie durch die Be-wegung Radziwil's, Kmita's und Garaburda's mit lithauischenCorps gegen Bshew beunruhigt, entfernte sich schleunigst aus Staritzanach Alexandrowskaja-Vorstadt. Diese Unthätigkeit der zahlreichenrussischen Heere zu einer Zeit, da Pskow allein sich heldenmüthiggegen Bathori's Hauptmacht wehrte, ist in der That unbegreiflich.Der Einfall der Lithauer an der oberen Wolga, welcher Johannpersönlich so mit Besorgniss erfüllte, brachte ihnen keinen wesentlichenNutzen und hatte keine wichtigen Folgen. Ganz anders stand es mitden Thaten der Schweden in Livland. Bathori forderte, dass dieSchweden von der See her die Küsten des weissen und des nördlichenMeeres angriffen, das Herz des russischen Handels mit England in Ar-changel zerstören und den Hafen von Sanct Nicolai, Cholmogora undBjelosersk fortnehmen sollten, wo sich der Schatz des Zaren befand.