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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 489

besetzten, erwarteten ruhig , muthig und kühn im feindlichen Feuer denSturm und schlugen lange mit Erfolg und Ruhm alle Versuche der Be-lagerer ab. Diese Versuche aber waren schwach, hauptsächlich wegenMangels an Pulver, wegen der Entbehrungen , Strapazen und Unzufrie-denheit des Heeres. Nach Pulver wurde zum Herzog von Kurland undnach Riga geschickt, aber das Heranholen erforderte viele Zeit, und alses angelangt war, blieben dennoch alle Versuche sich Pskow's zu be-mächtigen, vergeblich: selbst der Versuch, sich in den Besitz des Psko-wopetschersker Klosters zu setzen (56 Werst von Pskow) misslang. Dabeilitt das Belagerungsheer schwer von den Herbst-Regengüssen, vonKrankheiten, Mangel an Lebensmitteln, sogar vom Hunger, verlor denMuth, murrte, und gab, da es dem König nicht anzuschuldigen wagte,dem Zamoiski an Allem Schuld, indem es sagte, dass er auf den ita-liänischen Akademieen Alles gelernt habe, nur nicht die Kunst Russenzu besiegen, dass er mit dem Könige nach Warschau zum Reichstagewolle, und während dessen das Heer dem Winter, dem Hunger, und demergrimmten Feinde zum Opfer fällen werde«. Bathori aber sah ein,dass die Belagerung aufheben und im Winter nach Lithauen und Polenzurückgehen so viel sei, als das von ihm begonnene Unternehmen voll-kommen zu vernichten, und er war fest entschlossen, das Heer vor Pskowüberwintern zu lassen. Das war ausserordentlich schwer, aber Zamoiskiwusste dennoch Rath. Seine erste und Hauptsorge war, im Heere, be-sonders bei der Schljachta (dem polnischen Adel) eine strenge Disziplineinzuführen, wozu er äusserst strenge Maassregeln anwendete, ohne sichum irgend Jemand oder Etwas zu kümmern, auch nicht um den allge-meinen Groll und Hass gegen sich, und die Uebertreter ohne Gnade undBarmherzigkeit strafend. Bathori Hess inzwischen in den TrancheenErdhütten mit Oefen anlegen (deren man nach der Belagerung 130 grosseund 904 kleinere fand), versorgte sich mit Pulver und Proviant, legte aufdas Murren des Heeres kein Gewicht, und hoffte auf die Wirkung von9 Minen. Seh uis ki, der davon durch einen lithauischen Deserteur hörte,gelang es, einige derselben weg zu nehmen. Vergeblich waren auch alleübrigen Unternehmungen, Listen und Versuche der Belagerer, ihre Brand-kugeln, welche für Welikie Luid und Sokol so verderblich gewesenwaren, ihre bis zur Tollkühnheit gesteigerte verzweifelte Tapferkeit.So warfen eines Tages (am 28. Oktober) bei furchtbarem Feuer aus allenpolnischen Geschützen die ungarischen Haiduken sich mit Brechstangenund Schaufeln von der Welikaja direkt gegen die Stadtmauer zwischendem Pokrowsker Thurm und Thor und begannen sie zu zerstören, wobeisie sich mit breiten Schilden deckten, in die Oeffnungen kletterten unddie inneren Holz-Constructionen anzuzünden suchten. Die Belagertenaber gössen kochendes Harz herab, warfen Handgranaten, Balken, grosse