Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
488
Einzelbild herunterladen
 

488 HI- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

vorzudringen. Abermals entbrannte der heftigste Kampf, endlich spreng-ten die Belagerten den Swinusker Thurm mit allen darin befindlichenFeinden in die Luft, vertrieben den Feind aus den Breschen und demPokrowsker Thurme, wo sich die Ungarn am längsten und hartnäckigstenbehaupteten, und vertilgten diese mit Feuer und Schwert. Bis zum Abendwährte der Kampf, denn Bathori verstärkte die Stürmenden mehrmalsdurch frische Truppen. Aber auch die Belagerten unterstützten dieIhrigen durch Truppen und Bürger aus andern Punkten der Stadt, undendlich wurde der Sturm definitiv abgeschlagen. Die Belagerten hattendabei 663 Todte und 1626 Verwundete verloren, die Belagerer aber über5000 Mann Todte allein (darunter Gabriel Wekescha, ein geschickterungarischer Feldherr, welchen Bathori besonders hochschätzte) eineMenge Verwundeter und Gefangener, mehrere Fahnen und leichte Ge-schütze in den Breschen undThoren. An Johann wurde ein Courier mitder frohen Botschaft abgefertigt, die Heilung der Verwundeten ward aufdie Kasse des Zaren übernommen. Bathori schloss sich voll Aerger undVerdruss in sein Zelt ein und wollte seine Wojewoden nicht sehen, welcheam Morgen versprochen hatten, am Abend mit ihm im PskowschenSchlosse zu speisen. Aber da es schimpflich gewesen wäre, seinen Zornund Kummer vor dem Heere zu zeigen, so trat er am andern Morgen mitruhigem Angesichte aus seinem Zelte, berief den Kriegsrath und erklärteentschieden, dass man untergehen oder Pskow um jeden Preis, im Herbstoder im Winter nehmen müsse. Er befahl ununterbrochen Tag und Nachtein lebhaftes Feuer gegen Pskow zu unterhalten, Minen anzulegen, zuneuem Sturm zu rüsten, und schrieb schliesslich an die pskowschenWojewoden, dass weiteres Blutvergiessen ihnen Nichts nützen werde,sie sollten sich ohne Kampf ergeben, er verspreche ihnen Ehren undGnaden wie sie sie nicht von ihrem Zaren empfangen könnten, und demVolke Freiheiten, welche in Kussland unbekannt seien, ganz freien Han-del, Unantastbarkeit ihres Glaubens, ihrer Gebräuche und Verfassung. wobei er hinzufügte, dass sein Wort Gesetz sei, und im Fall desWiderstandes den Wojewoden und dem Volke Verderben drohe. DieserBrief wurde mit einem Pfeil in die Stadt geschossen, da die Belagertenfest entschlossen waren, in keine Verbindung mit den Belagerern zutreten. In gleicher Weise, mittelst Pfeiles, sendeten die Wojewoden dieAntwort, »dass sie keine Juden seien, weder Christum, noch den Zaren,noch das Vaterland verrathen würden, auf Schmeichelworte nicht hörten,und weder die Drohungen noch die Herausforderung Bathori's zumKampfe fürchteten, in welchem Gott den Sieg entscheiden werde«.Gleichzeitig eilten sie die Holzmauer hinter dem Punkte, wo der Sturmstattgefunden, und hinter der Bresche zu vollenden, zogen dazwischeneinen tiefen Graben, den sie mit dicken, eichenen, scharfen Pallisaden