Bemerkensvertlieste Kriege und Feldzüge. 481
Indessen rüstete Bathori sich zu einem 3. Feldzuge; er bekamGeld vom Herzog von Preussen, dem Kurfürsten von Brandenburg undvon Sachsen, erklärte aber im Februar im Reichstage, dass es nicht ge-nug sei, sich der Kriegs-Erfolge zu freuen, sondern man müsste sie aus-nutzen, und wenn die Stände nicht wünschten oder hofften das moskaui-sche Reich zu unterwerfen, so sollten sie wenigstens die Waffen nichteher niederlegen, bis sie ganz Livonien sich dauernd gesichert hätten;dass er jährlich sein Heer entlassen müsse, um vom Reichstage Geld zuerbitten, sei von grossem Nachtheil, denn das schwäche das eigene Heerund gebe dem Gegner Zeit das seine zu verstärken; das einzige Mittel,dem vorzubeugen, sei eine Geld-Bewilligung für 2 Jahre. Der Reichs-tag widersetzte sich zunächst, dann aber stimmte er zu, nur mit der Bitte,dass mit dem 3. Feldzuge der so beschwerliche Krieg beendet sein möge.
Während dessen aber hatten den ganzen Herbst und Winter die Ver-handlungen über den Frieden zwischen Johann und Bathori sichfortgesetzt. Die polnischen Gesandten aber begegneten den russischensehr unfreundlich, und es wollte sich gar kein Einvernehmen gestalten.Johann willigte sogar ein, seine Truppen aus Livland zurückzuziehen,wenn nur der König keine Truppen zusammenzöge, nach derGesundheit des Zaren frage, und vor dem Grusse desZaren aufstehe! Auf Alles eingehend, seinen Gesandten anbefeh-lend Alles zu dulden, konnte Johann doch sich dies nicht versagen,um Bathori daran zu erinnern, dass er noch lange nicht der Herrsei! Bathori aber wollte nicht nur von Abtretung Livlands mit Aus-nahme von 4 Städten Nichts wissen, sondern er forderte ganz Livlandohne Ausnahme und ausserdem die Abtretung von Sebesh und eine Zah-lung von 400000 ungarischen Dukaten Kriegskosten. Nun aber verlorJohann seinerseits die Geduld, antwortete von Neuem hochfahrendund beleidigend, und forderte, gegen Abtretung der von Bathori er-oberten russischen Städte an diesen, für sich in Livland Narwa, Derptund 36 Burgen, und nur unter diesen Bedingungen willigte er in einenWaffenstillstand auf 6—7 Jahre. Damit waren die Unterhandlungenbeendet, tmd Bathori rückte ins Feld, indem er Johann ein mitSchimpfreden gefülltes Sendschreiben schickte, das ausserdem die Fra-gen enthielt: »warum bist Du nicht selbst mitDeinen Truppen ausgerücktund hast Deine Unterthanen nicht beschützt? selbst die elende Henneschützt ihre Küchlein mit ihren Flügeln vor Habicht und Adler, Duzweiköpfiger Adler aber (denn das ist Dein Wappen), Du versteckstDich!« — und zum Schluss forderte er Johann zum Zweikampf heraus!
Bevor er zu Felde zog, berief er einenKriegsrath, dem er die Fragevorlegte: wohin gehen? Fast Alle wiesen auf Pskow, dessen Besitz demKönige ganz Livonien in die Hände liefern musste, um dessentwillen