Benierkenswertheste Kriege und Feldzüge. 479
Inzwischen hatte man auch in Moskau sowohl Geld wie Leute zu-sammengebracht, aber von den Wojewoden war auch nicht Einer, der sichmit Bathori hätte an Kriegskunst messen können, und es waren auchkeine solchen im Kriegswesen geübte und erfahrene fremde Druschinenvorhanden, wie bei Bathori. Johann selbst hatte sich zum Feldzugnicht vorbereitet, wusste (erstaunlicher Weise) Nichts von Bathori'sAbsichten, musste abermals seine Truppen längs der ganzen West-grenze auseinander zetteln, — ebenso auch an der Nordgrenze gegen dieSchweden, — und an der Südgrenze gegen die Krymzer, und schicktesie dann auch nach Nowgorod, nach Pskow, nach Kokenhausen in Kur-land, nach Smolensk, und an die Oka. An die lithauische Grenze stellteer als Oberbefehlshaber den getauften tatarischen Zarewitsch, Gross-fürsten Simeon Begbulatowitsch (seines Ranges und Titels wegen)und den Bojaren Fürst Iwan Feodorowitsch Mstislawski nebstGehUlfen, mit dem Befehl »zu handeln, wie Gott es sie lehren werde unddem Herrscher am genehmsten sei, und des Landes Interessen zu wahrenund zu fördern«, — weiter Nichts, — allerdings recht wenig und unzu-länglich.
Bathori beschloss auf Welikie Luki zu marschiren, um aber diesdem Feinde zu verheimlichen, befahl er dem Heere bei Tschaschniki amUla-Fluss zusammen zu treten, gleich weit entfernt von Welikie Luki undSmolensk, sodass es ungewiss blieb, auf welche von diesen beidenStädten er rücken werde. Als das Heer bei Tschaschniki beisammenwar, brach er mit 50000 Mann (darunter 20000 Fuss-Soldaten) nachWelikie Luki auf, über Welish und Uswjat, welche nacheinander mitGlühkugeln in Brand geschossen wurden und sich ergaben. Welikie Lukiwurde belagert. Jetzt kamen in Bathori's Lager als Gesandte von Jo-hann die Fürsten Sizki und Pivow, um nach Johann's Anweisungüber Frieden zu unterhandeln, wobei Johann senderbarer Weise dasAnsinnen stellte, dass Bathori die Belagerung aufhebe und die Unter-handlungen mit den Gesandten in seinem eigenen, nicht auf russischemGebiete führe! Sie wurden ohne Ehren, ja selbst feindselig aufgenom-men, und alle ihre Forderungen abgelehnt, auch die, der Stadt keinenSchaden zuzufügen. Endlich, gezwungen in einer oder der andern Weiseden ihnen gewordenen Auftrag auszuführen, wollten sie an Bathorisogar Polozk, Kurland und 24 Städte in Livland abtreten! Bathoriaber forderte ganz Livland, Welikie Luki, Smolensk, Pskow und Now-gorod! So tief demüthigte sich Johann, so sehrward durch ihn Bathori'sGeduld erschöpft! Die Gesandten erbaten die Erlaubniss, einen Couriernach Moskau um neue Befehle zu senden. Bathori gewährte sie, warteteaber die Rückkehr des Couriers nicht ab, sondern setzte die Belagerungfort. Nach langen Anstrengungen gelang es endlich Zamoiski, die