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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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478 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

hat keine Antwort auf diese Fragen; ersichtlich ist nur, dass sie Nichtsthaten und jenes Alles ruhig geschehen Hessen. Bald danach erneutensich die Discussionen zwischen Johann und Bathori über Livland,Kurland, den Zarentitel, Rechte und Vorrechte Johann's u. s. w., alsob damit allein die feindlichen Provinzen zu erobern gewesen wären undBathori zu deren Aufgeben und zum Frieden hätte gezwungen werdenkönnen.

Ende September hatte Bathori seinen Feldzug beendet und begabsich nach Wilna. Noch vorher, Mitte September, hatte er an Johanngeschrieben, dass er Frieden wünsche, aber Johann habe durch seinehochmüthige Antwort ihn gezwungen zu den Waffen zu greifen, an demBlutvergiessen sei daher nicht er, sondern Johann Schuld. Der Letztereerwiderte (im Januar 1580), dass auch er den Frieden wünsche, anallen seinen Grenzen dem Krieg Einhalt geboten habe, unddie Sendung einer grossen Gesandtschaft fordere, um über den Friedenund die Befreiung der Gefangenen durch Auswechselung und Loskauf zuverhandeln. Bathori stellte im März die Gegenforderung, dass Johannseine Gesandten nach Wilna schicke. Auf diese Weise ging die Zeit mitnutzlosen Sendungen und Schriftwechseln hin, worin Johann sich mitleeren Formalitäten befasste. Endlich benachrichtigte Bathori, welcherden Schriftwechsel nur betrieben hatte um Zeit und Kräfte und Mittel zueinem neuen Feldzuge zu gewinnen, den Johann, dass er wieder zuFelde gezogen sei, trotzdem aber nach fünf Wochen die russischen Ge-sandten erwarten wolle, vom 14. Juni an gerechnet.

Indessen war es für Bathori recht schwer, die nöthigenMittel undKräfte zum Feldzuge sich zu verschaffen: es wäre, bei der damaligentraurigen Unordnung in Polen, dazu ein ganzes Jahr erforderlich gewesen.Viel half freilich der Verstand und die Energie Bathori's und seinesHauptgehulfen, des berühmten Kanzlers Zamoiski, eines hochgebil-deten und im Kriegswesen erfahrenen Mannes. Hauptsächlich fehlte esan Geld und Truppen: dem Ersteren half Bathori nach Kräften undMöglichkeit ab, indem er sein eigenes Vermögen opferte und von Pri-vaten nahm, auch Zamoiski trug viel dazu bei. Was die Truppen an-belangt, so sammelte, wie gewöhnlich, das polnische Aufgebot sich lang-sam und in geringer Zahl; und obgleich Bathori's Bruder, der Fürstvon Siebenbürgen, ihm abermals ein bedeutendes Corps ungarischenFussvolkes (Haiduken) schickte, so war doch nur wenig Infanterie da,und Bathori wünschte sich mehr davon. Aus den städtischen verweich-lichten, zum Kriege ungeeigneten Bewohnern es zu bilden, war unthun-lich, und deshalb beschloss Bathori dazu starke und kräftige Leute, je1 auf 20 Mann von den königlichen Gütern zu wählen, die er zugleichmit ihren Nachkommen für immer von allen Abgaben befreite.