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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Beinerkenswertlieste Kriege und Feldzüge. 477

zünden. An dem ersten hellen regenlosen Tage (29. August) stürzten dieUngarn auf die Mauern los, und es gelang ihnen sie in Brand zu setzen;das Feuer griff rasch um sich, und die Belagerten konnten es den ganzenTag nicht löschen. Bathori aber stand während dessen mit seinerHaupt-Truppenmacht auf dem Wege nach Sokol, um die russischen Woje-woden aufzuhalten, wenn sie Polozk zu Hülfe kommen wollten. Aberaus den eben angegebenen Gründen thaten sie das nicht, und die Be-lagerten dachten darauf, sich zu ergeben. 10 von ihnen Hessen sich vonder Stadtmauer herunter, um Unterhandlungen anzuknüpfen, die Ungarnaber machten sie nieder, da sie keine Uebergabe der Stadt wünschten,sondern sie mit stürmender Hand zu nehmen begehrten, um dafür dasBecht des Plünderns der reichen Einwohner zu erlangen. ! j Zu dem Zweckdrangen sie ohne Befehl des Königs durch die brennenden Mauern in dieStadt, und hinter ihnen folgte das polnische Fussvolk. Aber die Be-lagerer hatten schon vermocht, einen tiefen Graben hinter der Stelle aus-zuheben , wo die Mauer brannte, gaben Salven aus demselben auf dieUngarn ab und vertrieben sie. Am folgenden Tage wiederholte sich das,aber nun Hessen Volhynski und die Strelitzen Unterhändler heraus, unddann capitulirte die Stadt unter der Bedingung freien Abzuges der ganzenGarnison. Die übrigen Wojewoden und der Bischof Cyprian willigtennicht in die Uebergabe der Festung und wollten sie in die Luft sprengen,sie wurden aber durch die Batniki daran verhindert und in die Sophien-kirche gesperrt, aus der sie nur mit Gewalt herausgeholt wurden. Die Er-oberer fanden übrigens nicht die erhofften Reichthümer in der Stadt: dasKostbarste war die Bibliothek, in welcher viele Handschriften und Werkegriechischer Kirchenväter in slawischer Uebersetzung sich befanden, unddiese brannte gänzlich nieder.

Nach Einnahme von Polozk belagerte Bathori Sokol, welches am25. September wie Polozk angezündet und erstürmt wurde, aber unterfurchtbarem Blutbade, bei dem auch viel Volks umkam. Dann wurdennoch mehrere kleinere Festungen in der Nähe genommen, während dessenaber verheerte der Orschinsker Starosta Kmita die Provinz Smolensk,der Fürst Konstantin Ostroshski die sjäversche bis Starodub undPotschep, die Schweden Korelien und das Isborsker Land; diesebelagerten auch Narwa, wurden aber von da vertrieben.

Natürlich entsteht die Frage: Was that denn Johann während derBelagerung der für ihn so wichtigen Stadt Polozk? weshalb duldete erdie Einnahme dieser und der andern Städte, die Verheerung der Smo-lensker und Sjäversker Provinzen, Korelien's und des Isborsker Landes?Was that das zahlreiche russische, erst nach Kurland entsendete, dannvon da zurückberufene Heer? weshalb wurde es nicht auf Polozk, gradein den Rücken von Bathori in Bewegung gesetzt? Die Geschichte