476 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
vorliegenden Falle besonders Bathori hatte, und kennzeichnet ihn alsgeschickten Heerführer, namentlich im Vergleich zu Johann. DemLetzteren wurde Bathori's Plan nicht bekannt: er wusste nur, was ihmdie Gesandten Karpow und Golo win gemeldet hatten, und auf Grunddessen und überzeugt, dass der Krieg um Livland auch in Livland ge-führt werden müsse, schickte er im Juli 1579 ein zahlreiches Heer überdie Dwina nach Kurland zu derselben Zeit, da Bathori sich entschlossenhatte, nach Polozk zu gehen. Das russische Heer beschränkte nach altemGebrauche sich auf barbarische Verwüstung des Landes, als plötzlichBathori, rasch gegen Polozk vorgehend, dies Anfang August belagerte,ganz überraschend für Johann. Das mit der Verheerung Kurlandsbeschäftigte russische Heer wurde eiligst von da zurück beordret, dierussischen Wojewoden in Polozk aber, Fürsten Teljatews^ki undSchtscherbaty, Volhynski und der Djak B s k e w s k i vertheidigtensich mit ausserordentlichem Muthe länger als 3 Wochen in der Holz-Festung, welche häufig durch die Artillerie Bathori's in Brand ge-schossen wurde. Die Bewohner, selbst Greise und Frauen, halfen eifrigund muthig die Feuersbrünste löschen und Hessen sich an Seilen vonden Mauern herab nach Wasser, das sie in die Festung beschafften, —Viele kamen dabei um, aber Andre traten an ihre Stelle. Aber auch dieBelagerer litten viel von dem Mangel an Lebensmitteln in der waldrei-chen Gegend, welche wenig bevölkert und durch die vorhergegangenenKriege ausgesogen war.
Auf die Nachricht von der Belagerung von Polozk schickte Johanndie Vortruppen unter Befehl der Okolnitschen Boris Schein und Feo-dor Schermetjef dahin. Diese Wojewoden fanden aber alle Wegedorthin von Bathori's Truppen verlegt, und besetzten die Festung So-kol (deren Lage unbekannt ist, — vielleicht das heutige Sokolnik beiWelikie Luki), von wo aus sie die Zufuhr von Lebensmitteln zu den Be-lagerern hinderten, indem sie Begegnungen im Felde mit den gegen sieentsendeten Truppen unter Christophorus Radziwil und JanoGljäbowitsch vermieden. Ausser dem Mangel an Lebensmitteln beiden Belagerern verdarben häufige Regen die Wege, die Lastthiere fielenauf denselben, und die vor Polozk liegenden, besonders die deutschenSöldner litten sehr vom Regen und dem nassen Erdboden. Bathori be-rief einen Kriegsrath, in welchem die Mehrzahl der Wojewoden der Mei-nung war, dass man unbedingt zum Sturme schreiten müsse. Bathoriaber war anderer Ansicht, indem er sagte, dass im Fall des Fehlschla-gen (er hatte vielleicht kein rechtes Vertrauen zum Erfolge) man ge-zwungen sein würde mit Schimpf und Schande abzuziehen. Statt dessenüberredete er durch das Versprechen reicher Belohnungen die Ungarn,sich unter die Stadtmauern zu schleichen und sie von allen Seiten anzu-