Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 475
polnisch-lithauischen Heere so überlegen schienen. Das begriff auch Jo-hann, der nebenbei noch die unverminderte Sehnsucht nach dem Besitzvon Livland empfand, um durch dieses Land die Wege zur Verbindungmit West-Europa zu erlangen. Bathori aber stutzte sich seinerseits aufdie ihm zu Gebote stehenden Mittel, Johann zu besiegen, nämlich aufseine geschickte, in Kämpfen gestählte ungarische und deutsche Mieths-Infanterie, welche er in seinem Heere eingeführt hatte, auf seine guteArtillerie, und auf die raschen und entscheidenden Angriffs-Bewegun-gen mit concentrirten Kräften gegen den Gegner, welcher gezwungenwar, seine Zeit-Volks-Aufgebote längs der ganzen Grenze von Lithauenund Livland auseinander zu ziehen; diese Aufgebote wurden zudem vonAVojewoden angeführt, die nicht nach ihren Fähigkeiten, sondern nachGeburts-Rang-Stellen ernannt waren und bislang nur gegen Tatarengefochten hatten.
Nachdem seine Kriegs-Rüstungen beendet, erklärte Bathori im Juni1579 an Johann den Krieg wegen seines Einrückens in Livland trotzdes Waffenstillstands. Im Juli, als er sein Heer vor Swir in Lithauenzusammengezogen hatte, berathschlagtc er, wohin der Feldzug am bestenzu unternehmen sei. Die lithauischen Pany riethen, wie vordem, durchLivland auf Pskow zu gehen, weil die Wegnahme dieser reichen Stadtfür die Mühen des Heeres und die Kosten des Krieges entschädigenwürde, und sie ihrer baufälligen Mauern und weiten Entfernung von Mos-kau halber gar nicht schwer zu nehmen sei. Bathori aber wendete klugund richtig ein, dass es sonderbar sein würde, zur Befreiung von Livlandden Krieg grade in dieses Land zu spielen, das ohnehin schon durch denKrieg ausgesogen, ausserdem aber mit befestigten Städten und Burgenübersäet sei, welche zu belagern den ganzen Krieg in einen fortgesetztenBelagerungs-Krieg verwandelt haben würde, während Lithauen in derZwischenzeit ganz ungeschützt bleibe. Nach Pskow könne man nachseiner Meinung nicht durch Livland, sondern durch das eigene Gebietdes Gegners rücken, in solchem Falle aber würden im Rücken eine Mengefeindlicher Festungen liegen bleiben, und wenn man sich einmal tief indas feindliche Gebiet gewagt, wäre es schwer aus demselben zurück zugelangen und von hinten her Verstärkungen und Vorräthe zu bekommen.Am besten wäre es nach seiner Meinung, vor Allem Polozk zu nehmenund dadurch Lithauen wie Livland zu schützen, ohne sich von denselbenzu entfernen, denn diese Stadt an der Dwina diente zum Schlüssel fürbeide Länder, und durch deren Wegnahme werde die Schifffahrt auf derDwina (Düna) verhindert, welche gleich wichtig für Lithauen wie fürLivland, besonders aber für Russland sei.
Dieser weise von Bathori entwickelte Kriegsplan erweist hinläng-lich, welche richtigen und klaren Begriffe vom Kriege überhaupt, und im