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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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474 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

"Warschau, welcher darüber berieth, wer zuerst zu bekämpfen sei Jo-hann oder der Krym-Khan, welcher zuvor in die lithauisch-polnischenGrenzen eingebrochen war. Man entschloss sich zu einem Angriffskriegegegen Johann und begann dazu zu rüsten. Da aber hierzu Zeit erfor-derlich war, so schrieb im März 1578 Bathori an Johann, dass er inLivland nicht Krieg führen werde bis zur Rückkehr seiner Gesandtenaus Lithauen, mit welchen die lithauischen Pany (Herren) über Livlandverhandeln sollten. Johann aber gab fast ein ganzes Jahr lang keineAntwort, da er die Resultate des Feldzuges seiner Wojewoden in Livlandabwartete, und ebenso verfuhr Bathori mit den moskauischen Gesandten.Während dessen hatte im Dezember 1578 Johann sich entschlossenLivland und Lithauen mit Krieg zu überziehen, ein Heer gesammelt undformirt, und begab sich im Juli 1579 nach Nowgorod. Hier erschienenseine in Lithauen gewesenen Gesandten Karpow und Golowin mitder Meldung, dass Bathori gegen die russischen Grenzen anrücke, dassaber aus der lithauischen Schljachta (Adel) nur wenige freiwillig, ausder polnischen Niemand mit ihm ziehe, sondern nur Söldner; dass dieHerren vom polnischen Rathe Bathori abgerathen hätten, gegen Smo-lensk und Polozk vor, ja sogar in Livland einzurücken, vielmehr nur seineSöldner dorthin zu schicken, um seine Städte zu schützen und neue zuerobern; endlich, dass in Polen und Lithauen, wie Alle sagten, Bathorinicht lange König sein werde, und Niemand anders dann zum Königegewählt werden würde, als einer der Söhne des moskauischen Zaren oderder König von Dänemark.

In der That empfanden Polen und Lithauen schon lange eine Ab-neigung gegen den Krieg in ihren Grenzen und forderten dessen Ueber-tragung nach Livland. Bath ori gelang es jedoch, alle diese Hindernisse-tt überwinden, und obgleich weder in Polen noch in Lithauen, noch immoskauischen Reiche ein stehendes Heer existirte, sondern nur Volks-Aufgebote (Opoltschenie) auf Zeit, vorzugsweise Reiterei, Adlige, sobrachte Bathori, ein von Natur hochbegabter Feldherr, doch auch inOst-Europa denselben Umschwung in der Kriegsorganisation und Artder Kriegführung zu Stande, welcher sich im westlichen Europa bereitsvollzogen hatte. Lithauer wie Russen hatten den gegenseitigen Kriegbisher fast in gleicher Weise geführt, aber bei den Lithauern, nament-lich deren Wojewoden, war doch mehr Kunst bemerkbar, als bei denRussen. Und bei den Feinden des moskauischen Staates sowohl, wiein Moskau selbst wurde dies wohl empfunden; die Ersteren bemühtensich die Entwickelung der Kriegskunst im moskauischen Reiche zuhintertreiben, während hier man mit Vorsicht darauf hin zu arbeitensuchte, und weniger auf die numerische Stärke der Truppen, als auf derenTüchtigkeit und Kunst Werth legte, worin eben die an Zahl geringeren