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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 473

Im Herbst 1578 belagerten die russischen Wojewoden Wenden,wurden aber nach dreimaligem erfolglosen Sturm durch die Nachricht vomHerannahen eines feindlichen Heeres zur Aufhebung der Belagerung be-wogen. Die Polen überfielen sie mit den Schweden gemeinschaftlich vorWenden selbst, die tatarische Reiterei hielt dem Angriff nicht Standund floh zuerst, die russischen Truppen zogen sich in ihr Lager zurückund unterhielten bis zur Nacht ein lebhaftes Feuergefecht. In der Nachtbrachen die Wojewoden Fürst Iwan Galitzyn und Andreas Pa-litzki, Feodor Scheremetjef und der Djak Andreas Schtschel-kalof mit der Reiterei aus dem Lager und entkamen. Die Artillerie-Wojewoden wollten das Lager nicht verlassen und wurden am nächstenMorgen, als der Feind das Lager angriff, gefangen genommen, die Ka-noniere aber zogen heldenmüthig den Tod der Gefangenschaft vor underhängten sich selbst an ihren Geschützen. Bei dieser Nieder-lage der Russen kamen 4 Wojewoden um, 4 geriethen in Gefangenschaft,und im Ganzen büssten, nach livländischen Quellen, von 18000 Russen6022 Mann das Leben ein.

Im folgenden Jahre 1579 rüstete Johann sich zu einem neuen undentscheidenden Feldzuge in Livland, er wollte Reval belagern und neh-men , und zu dem Ende wurde schon die schwere Belagerungs-Artillerienach Pskow gebracht. Aber die Dinge nahmen eine ganz andere für Jo-hann sehr unerwartete Wendung.

Stephan Bathori hatte nach seiner Krönung zum Könige vonPolen und Grossfürsten von Lithauen im April 1575 einen Bruch mit Jo-hann vermieden, wegen der inneren Unruhen in Polen und seiner Be-lagerung von Danzig, das ihn nicht als König anerkennen wollte. ImJuli 1576 schlug er Johann vor, den Waffenstillstand nicht zu brechenund durch Gesandte Unterhandlungen zu eröffnen. Abermals entstandenmit Johann Streitigkeiten über dessen Titel. Im Jahre 1577 führteBathori bei Johann Beschwerde, dass ohne Kriegserklärung er inLivland polnische Städte weggenommen habe, und schickte trotz derhochfahrenden Antwort Johann's im Jahre 1578 seine grosse Gesandt-schaft nach Moskau, um Friedens-Unterhandlungen zu betreiben. Abervon beiden Seiten wurden wieder solche Bedingungen gestellt, dass eindauerhafter Friede noch für lange Zeit unmöglich schien, und sowurde man denn dahin einig, den Waffenstillstand vom 25. März (MariaVerkündigung) 1578 auf 3 Jahre zu verlängern. Aber in der bezüglichenVertrags-Urkunde hatte man in Johann's Namen die Klausel einge-schoben, dass Bathori bis zum Ablauf des Waffenstillstandes wedereinrücken, noch lagern oder Krieg führen dürfe in dem Erb gute Jo-hann's Livland und Kurland. Bathori wollte bei dieser Klauselsich nicht beruhigen und berief im Februar 1578 den Reichstag nach