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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 469

selbst im Frühjahr 1571 mit 120000 Tataren einen Zug gegen Moskauaus. Die Wojewoden Fürsten Bjelski, Mstislawski, MichaelWorotynski, Schuiski u. A. rückten mit 50000 Mann an die Oka,Johann selber mit seinen Opritschniks nach Serpuchow. 6 russischeund 2 neugetaufte tatarische Ueberläufer theilten dem Khan mit, dass inden moskauischen Städten viele Menschen durch Hunger und Seuchenumkämen, dass der Truppen nur wenige seien, weil sich alle inLithauenund Livland befänden, überredeten ihn direkt auf Moskau zu rücken undzeigten ihm Uebergänge über die Oka. Johann, dadurch von demHauptheere abgeschnitten, zog eiligst und entmuthigt aus Serpuchownach der Vorstadt Alexandrowska und von hier weiter nach Eostow ab.Ebenso eilig gingen die Wojewoden nach Moskau zurück, wo sie am 23.Mai eintrafen, und nun eilten sie dem Khan zuvor zu kommen und zumSchutze der Stadt die Vororte zu besetzen. Am 24. Mai, dem Himmel-fahrtstage, erreichten die Tataren die Vorstädte, zündeten sie an, und in3 Stunden bei heftigem Winde brannten alle Holzgebäude um den stei-nernen Kreml herum nieder, wobei eine grosse Menge Soldaten undVolk umkamen (nach fremden Angaben gegen 800000 Menschen, nachrussischen eine ungezählte Menge). Die Feuersbrunst erlaubte den Ta-taren die Vorstädte zu plündern, den Kreml zu belagern entsprach nichtden Gewohnheiten der Tataren, und so zog der Khan mit vielen Gefan-genen (einige Nachrichten besagen 150000 Menschen) ab, da er hörte,dass ein grosses russisches Heer herannahe.

Nach diesem neuen verderblichen Einfalle Dewlet-Ghirei'swurden Verbindungen und Unterhandlungen zwischen ihm und Johannangeknüpft, ebenso dreist von des Ersteren Seite wie kleinmüthig vonder des Letzteren, welcher sogar in die Abtretung von Astrachan ein-willigte! Der Khan aber wähnte, dass Johann durch diese Unterhand-lungen nur Zeit gewinnen wolle, und zog im Sommer 1571 abermals mit150000 Mann zur Oka. Johann befand sich gerade in Nowgorod, inSerpuchow'an der Oka stand Fürst Worotynski mit dem Heere. DerKhan Hess 2000 Mann ihm gegenüber stehen, um ihn zu beschäftigen,ging mit der Hauptmacht Nachts über die Oka und schlug die Richtungnach Moskau ein. Aber Worotynski jagte ihm nach und erreichte ihn50 Werst vor Moskau bei Molodji jenseits der Lopassna. Hier kam esEnde Juli und Anfang August zu mehreren heftigen Treffen, welche allefür den Khan ungünstig endeten, sodass er gezwungen war, schleunigstzurück zu fliehen, [er wurde verfolgt und büsste eine Menge Leute undPferde ein. Hiernach ward der Ton der Unterhandlungen zwischen ihmund Johann schon ein anderer, der Erstere war friedlicher, der Letzterekühner geworden, Dank der Tapferkeit Worotynski's, und ihre Be-ziehungen gestalteten sich besser.

Galitzin, AUgem. Kriegsgeschichte IT. 2. "'