470 III. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
Während dessen trugen sich in Lithauen und Polen (mit denen da-mals Waffenstillstand herrschte) wichtige Begebenheiten zu, welche vongrossem Einfluss auf die Schicksale Ost-Europa's Überhaupt und des mos-kauischen Reiches im Besondern sein mussten. Im Jahre 1569 hatte diepolitische Union in Ljublin noch fester und dauerhafter als früher Li-thauen mit Polen verbunden, damit zugleich aber war in diesen Länderneine starke religiöse Bewegung entstanden, in Folge der Ausbreitung desProtestantismus und des ihm wie der orthodoxen russisch-griechischenKirche in Lithauen entgegen tretenden römischen Katholicismus. 3 Jahrespäter, im Juli 1572 starb Sigismund-August ohne Kinder zu hin-terlassen, der letzte Jage Hone, und es entstand nun die Frage, werzum König von Polen und Grossfürst von Lithauen gewählt werden solle.Die Hauptkandidaten waren Johann IV., der Schwedenkönig Jo-hann III. , der Erzherzog Ernst von Oesterreich, und der französischePrinz Heinrich von Anjou. Fast ganz Lithauen wünschte aufrichtig,den moskauischen Johann IV. oder dessen Sohn Feodor zum Königzu haben. Aber das Ansinnen Jo hann's, dass die Wähler ihm nur denThron von Lithauen, den polnischen aber dem Kaiser Maximilian II.zusprechen sollten, erkältete den Eifer seiner Anhänger, und so entgingihm die günstige Gelegenheit, Polen und Lithauen mit Russland zu ver-einigen. Auf den polnischen Thron wurde Heinrich von Anjou gewählt,(17. April 1573), seine Regierung währte aber nur 5 Monate (vom 20.Februar bis 18. Juli 1574); kaum erfuhr er den Tod seines Bruders, desfranzösischen Königs Karl IL, so reiste er sofort nach Paris ab. VonNeuem entstand ein Interregnum bis zum 14. Dezember 1575, wo Anna,die Schwester Sigismund-August's, zur Königin von Polen gewähltwurde, zu deren Gemahl der siebenbürgische Fürst Stephan Bathoribestimmt war. Am 22. April 1576 erschien dieser in Krakau und wurdedaselbst gekrönt als König von Polen und Grossfürst von Lithauen. Seit-dem nahmen die Angelegenheiten zwischen Polen und Lithauen auf dereinen, dem moskauischen Zaren-Reich auf der andern Seite eine neue undentscheidende Wendung. Im Jahre 1578 fasste Stephan Bathori, einMann von aussergewöhnlichem Verstände, kriegerischem Sinne, ein be-gabter und geschickter Feldherr, den Entschluss, den livländischenKrieg zu beenden, nachdem Johann IV. selbst durch Verjagung vonMagnus aus Livland und Eroberung fast dieses ganzen Landes, mitAusnahme von Riga (1577) den Anlass zur Erneuerung dieses Kriegesgegeben hatte. Das geschah denn in folgender Weise ;
In Livland hatte schon 1571 Johann nicht mit Polen und Lithauenallein, sondern auch mit den Schweden, welche Reval besetzt hatten,Krieg führen müssen. Johann belagerte Reval, aber erfolglos, und daer es nicht zu nehmen vermochte, so begab er Ende 1571 sich persönlich