468 HL Von Einführung der Feuerwaffen "bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
und gab seinen Wojewoden Befehl, sie wieder zunehmen, was auchgeschah.
So ging es auch die folgenden Jahre weiter, — Unterhandlungenmit Lithauen über Waffenstillstand, Abtretung von Städten und Land,— und vereinzelte unwichtige Kriegs-Aktionen, Scharmützel mit Li-thauern, Livländern und Schweden — ohne jeglichen Nutzen. Daswar weder Frieden noch Krieg, — und da J o h a n n zu dieser Zeit in sei-ner Geistes-Verwirrung schon aufhörte, sich um die inneren und äusserenAngelegenheiten des Reiches zu kümmern, so traf er keine Maassregelngegen den Krym-Khan, verlor er die Saporoger aus den Augen, welchevordem schon bereit gewesen waren, ihm zu schwören, hielt er nur mitMühe noch die Donschen Kasaken im Gehorsam, erlebte er beständigeUnruhen in der Provinz Kasan, und dachte sogar daran auf Astrachanzu verzichten. Lithauen und Livland mit dem russischen Zarenreicheunter seine Gewalt zu vereinigen, das war der ihn beherrschende undganz erfüllende Gedanke, aber weder seine politischen noch seine krie-gerischen Thaten entsprachen demselben auch nur im Geringsten. DieKriegs-Operationen wurden ohne gemeinsames festes Ziel, ohne Einheitundüebereinstimmung, ohne Kräfte, Entschlossenheit und Kunst geführt,und führten nur zu vergeblichem Blutvergiessen und Verwüstung desLandes. Die russischen Truppen schlugen sich wie gewöhnlich mitTapferkeit und Muth, aber zu ihrer Führung waren nicht mehr die altenbewährten Wojewoden aus Adaschew's Zeit da: Scheremetjef,Schtschenjatef, Gorbaty-Schuiski u. v. A. waren dem Wahn-sinn Johann's zum Opfer gefallen.
Endlich hatte Johann die Hoffnung aufgegeben, ganz Livlanddurch Gewalt der Waffen zu erobern; und so griff er 1570 zur List:er brachte den Herrscher von Eselj, den dänischen Prinzen Magnusauf seine Seite, gab ihm seine Nichte, die Tochter seines von ihm hin-gerichteten Vetters Wladimir Andrej ewitsch, Namens Maria zurGemahlin, und verlieh ihm den Titel König von Livland, unab-hängig von Kussland und von Polen, nur dass Johann sich von ihmdenselben Eid schwören Hess, welchen die Reichsfürsten Deutschlandsdem Kaiser leisteten. Aber die allgemeine Klage über Johann's Grau-samkeiten entsetzten die Livländer und Magnus dermaassen, dass siees vorzogen auf Polens Seite zu stehen.
Inzwischen drohte Bussland zu dieser Zeit eine neue grosse Gefahrvon Seiten des Krym-Khans und des türkischen Sultans, welche Astra-chan und demnächst auch Kasan losreissen und tatarische Reiche ausdenselben machen wollten. Zum Glück kam der Zug der Tataren undTürken nach Astrachan nicht zu Stande, der Khan rieth dem Sultan vondem Unternehmen gegen Astrachan und Kasan ab, dagegen führte er