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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Beinerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 467

Die Unterhandlungen wurden also fortgesetzt, zu wiederholten Malenvon Sigismund August neu angeknüpft. Seine Gesandten redetengar nicht vom dauernden Frieden, nur noch von Waffenstillstand, undwollten sogar Polozk und die von russischen Truppen besetzten GebieteLivlands abtreten. Aber Johann willigte nicht ein, forderte Riga undandere Städte, und wollte nur Kurland (das noch nicht von den Russenbesetzt war) und einige Städte auf dem rechten Dwina-Ufer überlassen.Indessen hatte doch Sigismund August's Zustimmung zur Abtretungvon Polozk und den Ländereien in Livonien in Johann Zweifel erregt,ob er sich hiermit begnügen und auf die Eroberungen der baltischen See-Küste verzichten, oder um dieser Eroberungen willen den beschwerlichenKrieg fortsetzen solle, dessen Resultate ungewiss und zweifelhaft waren.In diesen Bedenken wollte Johann die Meinung] nicht allein der Bo-jaren, denen er nicht traute, sondern von Auserwählten aus allen Lan-des-Klassen hören, welche er zum Sommer 1566 zusammenberief. Siewaren der Ansicht, dass ein Friedensschluss mit dem König auf dessenBedingungen hin nicht annehmbar, vielmehr es nothwendig sei, durchKrieg Alles zu erlangen, was Johann wünschte und was dem Staatezum Nutzen gereiche. Nun schickte Johann als Gesandten nachLithauen den Bojaren Umny-Kolytschef, mit dem Befehl, keinenWaffenstillstand ohne Livland abzuschliessen. Sigismund Augustwar nicht dazu geneigt und erklärte den Krieg. Johann erhielt dasbezügliche Schreiben im Sommer 1567 auf dem Wege nach Nowgorod,von wo er mit dem Heere nach Livland aufbrechen wollte: nach Bera-thung mit den Wojewoden beschloss er jedoch sich auf den Verthei-digungs-Krieg zu beschränken (ein Beweis für seine ausserordent-liche Unentschlossenheit und das Missverhältniss zwischen der Art derKriegführung und den Zwecken des Krieges).

Zu Anfang des Jahres 1563 belagerte der lithauische Hetman Cho d-kj ä w it s ch die moskauische Festung Uda (auf dem lithauischen Ufer derDwina zwischen Polozk und Witebsk), war aber gezwungen die Belagerungaufzuheben, weil (wie er dem Könige meldete) seine gemeinen Soldatensich ausserordentlich feige zeigten und durch Nichts sich bewegen lassenwollten zum Sturme zu schreiten, die Belagerten dagegen grosse Tapfer-keit in der Vertheidigung und bei Ausfällen bewiesen. Johann, wel-cher sich für seine Person in die Vorstadt Alexandrawska zurückbegebenhatte, erneuerte nach dem Rathe der Bojaren die Unterhandlungen mitdem Könige über den Waffenstillstand und gab einen schriftlichen Ge-leitschein für eine grosse nach Moskau zu schickende lithauische Gesand-schaft. Darnach aber erhielt er die Nachricht, dass die lithauischenWojewoden Fürsten Polubenski aus Wolmar in Livland sich plötz-lich der Stadt Isborsk bemächtigt hätten (in der Provinz Pskow)