Druckschrift 
Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
Entstehung
Seite
466
Einzelbild herunterladen
 

466 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

Serebrjany-Obolenski, mit Truppen und der Instruktion zurück-gelassen, die Stadt schnell und bestens zu befestigen, die Gräben zureinigen und zu vertiefen, die Schanzen gründlich wieder herzustellen,keine Lithauer aus der Stadt in die Festung zu lassen, in der Stadt eineKaserne (woiskowaja isba) zu bauen, worin Wojewoden und Truppen dieNächte zubringen sollten, alle erdenkliebe Vorsicht zu beobachten u. s. w., und Jobann kehrte nun nach Moskau zurück, wo er einzog und mitdemselben Triumph, wie nach Einnahme von Kasan empfangen wurde.

Als Sigismund-August die Einnahme von Polozk erfuhr,machte er dem Krym-Khan Vorwürfe, dass er nicht wie sonst im Wintergegen Moskau gezogen sei; der königliche Rath schickte nach Moskauund Hess die Bojaren ersuchen, die russischen Truppen von weiterenOffensiv-Operationen abzuhalten, da zu Maria Himmelfahrt (15. August)lithauische Gesandte nach Moskau kommen würden. Johann unter-brach die Feindseligkeiten, Sigismund August aber wollte wie vor-dem nur Zeit gewinnen durch Unterhandlungen, um Streitkräfte undMittel zusammenzubringen und den Krym-Khan gegen Johann aufzu-hetzen, und bat sogar um Verlängerung des Waffenstillstandes von MariaHimmelfahrt 1563 bis zu Maria Verkündigung 1564. Job ann willigtenicht ein, sondern verlängerte den Waffenstillstand (und dabei hatteder Krieg schon begonnen!) nur bis zum Winter Nicolai-Tage (6.Dezember) des Jahres 1563, abermals ein Beweis, wie wenig erfaktisch fähig und geschickt war, den Angriffs-Krieg fortzusetzen,unter Benutzung der Ohnmacht Sigismund August's und der Un-thätigkeit des Krym-Khans. Mit der Einnahme von Polozk sich begnü-gend, kehrte er nach Moskau zurück.

Während dessen hörte Sigismund August nicht auf den Krym-Khan und den König von Schweden zu bearbeiten, ja er schickte sogaran die russischen Wojewoden in Livland die Aufforderung nach Lithauenabzuziehen, um sich vor Johann's Grausamkeit zu retten. Seine Ver-bindungen mit dem Krym-Khan blieben Johann verborgen, dagegenwurden seine Schreiben an den König von Schweden und an die russi-schen Wojewoden aufgefangen. Man sollte meinen, dass Johann nuunicht länger schwankend zauderte, sondern Angesichts der offenbarenHinterlist von Sigismund August den Krieg aufs Nachdrücklichstefortsetzen würde. Aber statt dessen Hess er sich von Neuem in endlose,leere, zu Nichts führende Debatten mit Sigismund-August's Ge-sandten ein, und darüber ging die Zeit hin und der geeignete Moment ver-loren, um dieOberhand über Jenen zu gewinnen und Lithauen allmählichzu erobern, wo das Volk gleichgültig, ja sogar unfreundlich gegen denKönig von Polen, dagegen sehr günstig für Johann gestimmt war, alsden rechtgläubigen Herrscher. _