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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 465

niund August's, nach dessen Tode ohne Hinterlassung von Kinderndas Haus der Jagelionen den Thron bestiegen haben würde. Dochkam dieser Plan nicht zu Stande, denn Sigismund August wolltevor der Verschwägerung einen vortheilhaften ewigen Frieden unter denbekannten gewöhnlichen Bedingungen abgeschlossen haben, Johannaber wollte davon Nichts hören, und so brach im September 1561zwischen ihnen der Krieg aus.

Er wurde eröffnet durch eine Angriffs-Bewegung des lithauischenHetman Fürst Radziwil gegen die russischen Truppen in Livland,und die Belagerung von Tarwast durch ibn (südlich von Fellin, west-lich vom See Wirz-Jarw). Nach einer Belagerung von 5 Wochen nahmRadziwil die Stadt, besetzte sie aber nicht, sondern verliess sie; dierussischen Wojewoden aber schlugen die Lithauer bei Pernow und zer-störten Tarwast. Im Jahre 1562 beschränkten sich beiderseits die Un-ternehmungen auf Verheerungs-Streifzüge. Während dessen hörten aberdie Beziehungen und Verhandlungen zwischen Sigismund Augustuud Johann nicht auf, da der Erstere weder Mittel noch Lust hatte,den Krieg energisch zu betreiben, sondern nur die Zeit zu Unterhand-lungen gewinnen wollte. Aber diese Verhandlungen brachten Beide nurnoch mehr durch Beschwerden und Vorwürfe gegen einander auf, welcheübrigens von Johann's Seite mehr gerechtfertigt waren, weil Sigis-mund, während er ihn zum Frieden und zur Abtretung von Livlandbewegen wollte, zugleich den Krym-Khan gegen ihn aufreizte, indem erdiesem vorstellte, dass jetzt der geeignete Zeitpunkt da sei, um in diemoskauische Ukraine einzufallen, da alle Streitkräfte Johann's sich inLivland befänden.

Durch derartige Verhandlungen und Verhalten konnte freilich unmög-lich Frieden und Einvernehmen erzielt werden, und so brach Anfang 1563Johann selbst mit einem starken Heere und zahlreicher Artillerie gegendie lithauischen Grenzen in der Richtung auf Polozk vor, welches durchseine Lage an der Dwina (Düna) und seinen Handel mit Riga sehr wichtigund daher das Haupt-Objekt des Feldzuges war. Am 31. Januar wurde eseingeschlossen und belagert, am 7. Februar fielen seine Aussenwerke,am 15. Februar ergab sich die Stadt, nachdem 300 Sashen von ihrenHolzmauern niedergebrannt waren. Der Bischof und der WojewodeDowoina, Einer der demKönige am nächsten Stehenden, wurden nachMoskau gebracht; ihr Vermögen, wie das der reichen Gesandten undKaufleute, der königliche Schatz nebst vielem Gold und Silber für denZaren fortgenommen, die Juden in der Dwina ertränkt, die fremdenSöldner des Königs, deren über 500 Mann in Polozk waren, mit Pelzenbeschenkt und nach ihrem Belieben entlassen! Dann wurden 3 Woje-woden, und zwar die Fürsten Peter Schuiski, Wassilji und Peter