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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 463

Art von Kriegführung lief schnurstracks wie diesem, so auch dem andern,dem Haupt-Ziele zuwider, der Eroberung Livlands behufs Einverleibungiu Kussland, als dessen altes Eigenthum Johann selbst es wie schon seinVater, Grossvater und Vorfahren bezeichnet hatte. Wenn man von einemgeschickten Feldherrn oder obersten Truppenführer die gleichmässigeVereinigung von Kräften des Geistes und Willens verlangt, und wennJohann unzweifelhaft Beides besass, auch in seiner Jugend bei denKriegen mit Kasan, Astrachan und der Krym bis 1558, Muth, FestigkeitTapferkeit gezeigt hatte, sogar kriegerische Bildung, wie soll manda die oben geschilderte unregelmässige Führung des ersten Kriegesgegen Westen durch ihn selbst, gegen ein Land, das west-europäischeKriegs-Organisation besass, erklären? Durch nichts anders, scheint es;als durch seinen ungelenken, ungebildeten Geist, durch seinen zügel-losen, ungebändigtenWillen, seinen maasslosen Stolz, grenzenlose Eigen-liebe, seine gänzlich verwilderten Sitten, endlich durch den vollkomme-nen Mangel an eigentlich kriegerischer Begabung: er war eben ent-schieden kein Feldherr und besass nicht die dazu erforderlichenEigenschaften. Seine folgenden Kriege mit Polen xxnd Schweden umLivland beweisen dies noch mehr, als sein erster west-europäischerKrieg in diesem Lande, und zwar weder zu seiner eigenen Ehre,noch zum Nutzen für Russland, wie unten gezeigt werden soll.

§. 192.Krieg mit Polen und Schweden (156282).Der König von Polen und Grossfürst vonLithauen, Sigismund L,hatte im Jahre 1545 seines Alters halber die Regierung von Lithauen anseinen Sohn Sigismund August abgetreten, und als er 1548 starb,trat Letzterer in Polen und Lithauen an seine Stelle. Obgleich der Waf-fenstillstand sich seinem Ende nahte, so dachte Sigismundl. Augustdoch nicht daran, den Krieg zu erneuern, da er mit ganz andern Dingenbeschäftigt war. Johann IV. aber, zu dieser Zeit 18 Jahre alt undZar von Moskau und Russland und schon mit dem Gedanken einer Ver-einigung von Lithauen mit Russland umgehend, erkannte die Notwen-digkeit, vor Allem mit den Tataren im Osten und Süden aufzuräumen undBussland vor ihnen zu sichern, und betrieb deshalb Friedens-Unterhand-lungen mit Lithauen. Aber der sogenannte ewige Friede zwischenLithauen und Russland war unmöglich, ja undenkbarfür SigismundAugust ohne Smolensk, für Johann nicht nur ohne Smolensk,sondern auch ohne Witebsk, Polozk, Kiew, viele andere alt - russischeStädte und die Provinzen Kiew und Volhynien. Deshalb kam statt einesewigen Friedens im Jahre 1549 nur ein 5 jähriger Waffenstillstand zuStande bis zum Jahre 1554. Als dieser Zeitpunkt sich seinem Ende