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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 461

schlug die Livländer vor Werpen oder Werpel, auf der andern Seiteward Livland von einer pskowschen Freischaar verheert, die viele Gefan-gene und Vieh wegtrieb. In demselben Frühjahr brach auch Fürst An-dreas Kurb ski mit Truppen in Livland ein und besiegte den gewesenenHochmeister F ür 8 tenb e r g bei Weissenstein und Fellin. Die Einnahmevon letzterem Orte war das Ziel des gleichzeitigen Feldzuges eines 60000Mann starken russischen Heeres unter Befehl der Fürsten Mstislawskiund Peter Schuiski, welche auch Fellin belagerten; 12000 Mannunter dem Fürsten Barbaschin machten einen Zug zur See in Folgedes Gerüchtes, dass Fürstenberg einengrossen Schatz nach Hapsal(Habsal) führen wolle. Der beste von den livländischen Feldherren, Land-marschall Bell überfiel unvermuthet mit 500 Rittern und Kriegern dasCorps Barbaschin's, wurde aber geschlagen und gerieth mit 11 Com-thuren und 120 Rittern in Gefangenschaft, der Rest blieb.

Die in Fellin belagerten Livländer vertheidigten sich anfänglichmit Muth nnd Ausdauer, sogar dann noch, als die Aussenmauern bereitsdurch das russische Geschützfeuer zerstört waren. Als aber Letztere mitglühenden Kugeln zu schiessen begannen und Brände in der Stadt ent-standen, da legten sich die Belagerten aufs Unterhandeln, obgleich sienoch die ausserordentlich feste, fast unersteigbare innere Festung (Burg)in Besitz hatten, mit 3facher Umwallung, 18 grossen, 450 mittleren undkleineren Geschützen und einer Menge von Vorräthen aller Art. Nachlivländischen Nachrichten aber hatte die Garnison mehrere Monate keinenSold empfangen, wollte nicht mehr dienen, und übergab, obgleichFür s tenb er g ihnen sein ganzes Vermögen anbot, die Stadt, auf dieBedingung freien Abzugs. Der Greis Fürstenberg wurde nach Mos-kau gebracht, und erhielt als Aufenthaltsort den Flecken Ljubim ange-wiesen, wo er starb.

Nach der Capitulation von Fellin folgten noch einige andere liv-ländische Städte diesem Beispiel; das russische Heer verwüstete dasLand, überall die kleinen sich ihm entgegenstellenden Abtheilungen zer-sprengend, doch konnte Mstislawski Weissenstein nicht in seinen Be-sitz bringen, und so endete der Feldzug von 1560.

Ungeachtet aller dieser Erfolge der russischen Truppen war es nochweit bis zur vollkommenen Eroberung von Livland, aber die dem Ordenzugefügten Schläge beschleunigten dessen Auseinanderfallen. Im Jahre1561 verkaufte der Eseljsker Bischof ohne Wissen und Willen der Or-densmächte seine Besitzungen Eselj und Pilten für 20000 Reichsthaler anden Dänen-König FriedrichUL, welcher sie seinem Bruder Magnusüberliess; dies rief einen Aufstand der Bauern gegen die Edelleute her-vor , deren Schlösser sie den Flammen übergaben, bei der Belagerungvon Lode wurden sie jedoch zersprengt und zur Ruhe gebracht. In