460 HI- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigj ährigen Kriege etc.
Möglichkeit erblickte, dadurch einen günstigen Frieden zu erlangen, undweder von Schweden noch von Dänemark Hülfe erwarten durfte, wandtesich endlich mit der Bitte um solche an König Sigismund III. Augustvon Polen (1548—72). Zwischen diesem und Johann wurden von 1559an fortwährende Unterhandlungen geführt über die AngelegenheitenLithauens (s. unten §. 192) und seit 1559 veranlassten die livländischenVerhältnisse Johann, einen dauernden Frieden und Bündniss mitLi-thauen zu wünschen. Aber dazu führten diese Unterhandlungen keines-wegs, ja sie trieben noch schneller zum Bruche: im September 1559wurde zu Wilna zwischen Sigismund-August und dem Orden einVertrag geschlossen, kraft dessen Ersterer sich verpflichtete den Ordengegen Johann zu schützen, der Erzbischof und Hochmeister dem Könige9 livländische Bezirke zum Unterpfand gaben, mit der Bedingung, dafür700000 polnische Gulden zu zahlen, wenn sie in]der~Folge ,sie einzu-lösen beabsichtigten.
Demzufolge traf im Januar 1560 ein Gesandter Sigismund-Au-gust's in Moskau ein mit der Forderung, sich nicht in die Angelegen-heiten Livlands zu mischen, das sich unter^des Königs Schutz gestellthabe. Aber die beiderseitigen Bemühungen, die Anrechte auf Livoniengeltend zu machen, führten zu Nichts, — der Streit zwischen beidenTheilen um dieses Land musste mit den Waffen ausgefochten werden.
Ketler, ermuthigt durch das Bündniss mit Sigismund-Augustund unterstützt durch Leute und Gelder aus Deutschland und von demHerzoge von Preussen ; wie durch ]äie Bewohner von Riga und Reval,eröffnete 1559 im Herbst die Offensiv-Operationen durch die Besiegungdes moskauischen Wojewoden Pleschtschejef vor Derpt und Bela-gerung dieser Stadt. Die Belagerten machten einen erfolglosen Ausfall,aber die Erfolge der Livländer beschränkten sich hierauf; als der Winterherannahte, kehrte das von dem Herzog von Mecklenburg geführte Hülfs-corps zurück; Ketler, auf seine Livländer allein angewiesen, wolltewenigstens La'is nehmen. Aber 2 Sturmangriffe wurden von dem Befehls-haber der Garnison, dem Strelitzen-Häuptling Koschkarof abge-schlagen, und Ketler war genöthigt mit Verlust sich nach Oberpalenzurückzuziehen, das er mit grossen Anstrengungen erreichte, da er aufden schlechten Wegen schweres Geschütz mit sich führte. In Oberpalenmeuterten seine Truppen, aus Verdruss über den Misserfolg und nichtgezahlte Besoldung, wurden nur mit Mühe beschwichtigt und in Winter-quartiere gelegt, die Geschütze brachte man nach Fellin. Die russischenWojewoden Fürst Mstislawski, Peter Schuiski und Serebrjanyführten, trotz des schneelosen Winters Krieg in Livland bis zum RigaerMeerbusen, und nahmen Marienburg.
Im Frühling 1560 rückte ein russisches Corps m Esthland ein und