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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 459

Ketler benutzte dies und belagerte, nachdem er an 10000 Mannzusammengebracht hatte, Ringen und nahm es mit stürmender Hand,wobei er, wie es heisst, 2000 Mann einbüsste. Die in Livland zurückge-bliebenen Wojewoden konnten nicht über 2000 Mann Truppen ins Feldstellen, noch dem Angriff der 8000 Mann von Ketler die Stirn bieten, sie wendeten den Rücken und konnten nur kleine Corps aufreiben,welche zum Fouragiren ausgezogen waren. Die Livländer aber drangenin die Pskow 7 schen Grenzen ein, brannten die Vorstadt des StädtchensKrassny nieder, drangen sogar bis Sebesh vor und äscherten das Klosterdes heiligen Nicolaus ein. Darauf beschränkten sich übrigens Ketler'sErfolge, denn er konnte mit seinen schwachen Kräften keine Belagerungder bedeutenderen Städte unternehmen, welche im Besitz der Russenwaren, und Ende Oktober kehrte er nach Riga zurück.

Zur Vergeltung dafür rückte im Januar des folgenden Jahres 1559ein zahlreiches russisches Heer (nach livländischen Angaben fast 130000Mann) in Livland ein, besiegte die Livländer bei Tirsen und verheerteungehindert einen ganzen Monat lang Livland bis zum Meere und den rus-sischen und lithauischen Grenzen hin. Die livländische Regierung wendetesich an den Söhn Gustav Wasa' s, Regenten in Finnland, Herzog Jo-hann, mit der Bitte, 200000 Reichsthaler und ein Heer zu leihen, gegenVerpfändung einiger Landstriche in Livland: der Herzog willigte ein,Gustav Wasa rieth ihm aber ab, um sich nicht mit dem russischenZaren, dem Kaiser und den Königen von Polen und Dänemark zu ent-zweien. Um mit Ersterem Frieden zu halten, verfügte er sogar die Er-greifung der Revalschen in Wyborg deshalb, weil revalsche Schiffe imschwedischen Gewässer die Kähne von russischen Kaufleuten angefallenund fort genommen hatten, und schickte in den finnischen Meerbusenschwedische Kriegs-Schiffe zum Schutze der russischen Kauffahrtei-schiffe. Die Livländer baten nun Gustav Wasa selbst um Hülfe, waser aber verweigerte, er legte aber bei Johann Fürsprache für Livlandein, übrigens gar nicht wegen der Livländer, sondern um des Kaiserswillen. Johann erwiderte ihm, dass er in solchem Falle sich nicht umdie Livonier kümmern solle.

Nun baten die Revaler, welche von nirgends Hülfe erwarteten, denKönig C h ristian IV. von Dänemark, sie in seinen Unterthanen-Verbandaufzunehmen, sowie Reval 'und Esthland einst auch unter der MachtDänemarks gestanden hatten. Aber auch Christian verweigerte diesebenso, wie Wasa; Johann aber gab auf Fürsprache von Christiandem Orden nur einen Waffenstillstand vom Mai bis November 1559, da-mit während dieser Zeit der Hochmeister persönlich in Moskau seineUnterwerfung vor Johann erkläre, oder die Vornehmsten dorthin ent-sende zum Abschluss eines ewigen Friedens. Ketler aber, der keine