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Abth. 2, Das Mittelalter Bd. 2 (1885) Von der Einführung der Feuerwaffen bis zum 30jährigen Kriege : (1350 - 1618)
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458 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.

selber bei J o h a n n erscheinen und ihre Unterwerfung erklären sollten.Der Krieg wurde fortgesetzt, einige Städte ergaben sich ohne Widerstand(Neuschloss, Adesh, Kirenne, Kurslaw, Werben) andere vertheidigteusich hartnäckig, besonders das Schloss Neuhausen (auf russisch Nowy-Gorodok). Der Hochmeister Fürstenberg, welcher nur etwas über8000 Mann stark war, wagte nicht sich in einen Kampf zur Befreiungvon Neuhausen mit den russischen Truppen einzulassen, und so bekamendiese das Schloss nach grossen Anstrengungen in ihre Gewalt. Nun zogsich der Hochmeister vor ihnen nach Walk zurück und legte hier seinesAlters wegen, sein Amt freiwillig nieder, und an seine Stelle wurde derjunge Fellinsche Comthur Gotthart Ketler gewählt.

Im Juli schloss das russische Heer unter dem Fürsten Peter Iwa-nowitsch Schuiski Derpt ein, in welchem der Bischof HermannWeiland mit den Bürgern und 2000 Mann deutscher Miethstruppen sichbehauptete; der grössere Theil der Dworjane verliess die Stadt beiNacht. Anfänglich vertheidigten sich die Belagerten muthig und mitAusdauer, unterhielten ein lebhaftes Feuer und machten häufige Ausfälle;die Belagerer näherten sich aber der Stadt immer mehr und fügten inFolge der erheblichen Ueberlegenheit ihres Geschützes der Stadt, denMauern und den Bewohnern grossen Schaden zu. Die Letzteren, durchdie Vertheidigung ermüdet und durch den Verlust geschwächt, schicktenum Hülfe zu dem Hochmeister, der aber erwiderte, dass er selbst nichtim Stande sei dem so starken Feinde zu widerstehen, und auf alle Weisesein Heer zu verstärken suche. Schuiski sicherte seinerseits den Be-lagerten Schonung zu, falls sie sich ergeben und unterwerfen wollten,andernfalls müssten sie alle ohne Ausnahme über die Klinge springen.Sie baten um eine 3tägige Bedenkzeit, am 4. Tage legten sie 14 Be-dingungen der Uebergabe und Unterwerfung vor. Schuiski bewilligtediese wie alle übrigen Bitten der Einwohner, und er hielt treu und ehr-lich sein Versprechen, in seinem Heere nach der Einnahme von Derptstrenge Ordnung zu halten. Am 6. September gab Johann den Bewoh-nern von Derpt einen Gnadenbrief, in welchem er einen Theil von ihrenBedingungen erfüllte, die andern nicht.

Die in dieser Urkunde Derpt verliehenen Freiheiten enthüllten deut-lich Johann's Absicht auf Eroberung und dauernde Besitzergreifungvon Livland. Er verlieh den Bojaren-Kindern Ländereien in den er-oberten livonischen Provinzen und forderte von Beval, dass auch dieseStadt dem Beispiel von Derpt folgen solle. Aber Keval unterwarf sichnicht, dagegen thaten es andere Städte, im Herbst war die Zahl diesernebst den vorher schon unterworfenen bereits auf 20 gestiegen. NachZurücklassung von Besatzungen in denselben gingen im September,dem damaligen Gebrauche gemäss, die Ober-Wojewoden nach Moskau.