456 HI- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjäkrigen Kriege etc.
Durchlass für solche von dorther berufene Männer zu gewinnen, welchedie Früchte ihrer Civilisation und Bildung von da in das russische Reichüberführen konnten. Als nächster "Weg dazu diente die Ostsee, in deraber kein russischer Hafen lag, und keine Handels-Flotte existirte, unddie dieses Meer, seine Häfen und Schifffahrt beherrschenden Staaten(Schweden, Dänemark, Livland, Polen und Brandenburg) erschwertenden russischen Handel und namentlich den freien Uebertritt in russischeGebiete für die aus West-Europa dorthin berufenen Leute. Mehr alsalle übrigen that dies, bis zur vollkommenen Verhinderung, sonderbarerWeise das kleine und schwache, ohnmächtige Livland, welches durchPolen dazu aufgereizt wurde, indem dieses es fortwährend mit den altenBechten Busslands auf Livland schreckte. Dadurch aber verstärktendie Livländer bei der moskauischen Regierung nur den Wunsch, Liv-land die Ufer der Ostsee zu entreissen und sie sich durch Unterwerfungdes Landes anzueignen. Einen Anlass dazu gab die Nichtbezahlungdes Tributs von Derpt an die russischen Grossfürsten auf Grund alterVerträge, noch aus dem 14. und 15. Jahrhundert. Als im Jahre 1554livländische Gesandte nach Moskau kamen mit der Bitte um Verlänge-rung des Waffenstillstandes, wurde ihnen dies abgeschlagen und gefor-dert, dass der Tribut für die ganze verflossene Zeit voll nachbezahltwerde. In Folge der darüber gepflogenen Unterhandlungen in Moskauund Derpt verpflichtete der Bischof von Derpt sich zur Zahlung des gan-zen Tributs in 3 Jahren, hielt aber nicht Wort, und im Februar 1557trafen die livländischen Gesandten in Moskau ohne Geld ein, abermit der Bitte den Tribut aufzuheben. Man antwortete ihnen, da derHochmeister, der Erzbischof von Riga und der Bischof von Derpt ihrWort gebrochen hätten, so werde Johann das ihm Gebührende sichselbst von ihnen und von ganz Lithauen holen. Mit diesem Bescheidewurden im März die Gesandten aus Moskau entlassen, im April aberschickte Johann den Fürsten Schtschestunof, eine Stadt nebst Hafenan der Mündung der Narowa zu erbauen, unterhalb Iwangorod; in dieserjedoch, wie in Pskow und Nowgorod verbot er mit Waaren nach Liv-land zu gehen, erlaubte hingegen mit den Livländern Handel zu trei-ben, wenn sie in die russischen Grenzen kämen. Im November dessel-ben Jahres 1557 rückten 40000Mann unter dem Befehl von Schig-Alejund den Wodjewoden Michael Wassiljewitsch Glinski, demBruder der Zaritza Anastasia, Daniel Romanowitsch u. A.,in die livländischen Grenzen ein, mit den Russen auch Tataren, Tschere-missen, Mordwen und Pjätigorsker Tscherkessen. Im Dezember schicktendie Livländer Gesandte mit der Bitte, eine einmalige Zahlung von 45000Jeffimok (18000 Rubel damaligen Werthes) anzunehmen und dem Ver-sprechen, dass Derpt jährlich 1000 ungarische Dukaten zahlen solle. Als