Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 455
an der Militär-Grenze Oesterreichs und Ungarns war. Wenn manin ähnlicher "Weise verfuhr, so konnte man allmählich mit jedem Jahredie Versckanzungs-Linie weiter nach Süden in die weder den Russennoch den Tataren gehörende Steppe vorschieben, sie von Moskau entfer-nen und der Krym näher legen. Bezüglich der dazu erforderlichenGeldmittel kann man sagen, dass wenn das Volk zu jener Zeit arm war,so hatte der Staatsschatz gegen früher weit höhere Einkünfte, und diehöheren Klassen, und Johann selbst geboten über bedeutende Reich-thiüner und Geldmittel', welche wohl mit grösserem Nutzen hätten zuSchutz und Vertheidigung der Süd-Grenzen und deren allmählicher Vor-schiebung gegen Süden verwendet werden können, als zu dem damalsherrschenden maasslosen Luxus und Ueppigkeit des moskauischen Hofesund der Vornehmen.
Johann aber richtete, nachdem er Kasan und Astrachan unterwor-fen und nach dieser Seite die russischen Grenzen gesichert, nach derSeite der Krym aber alles beim Alten gelassen hatte, seine ganze Auf-merksamkeit auf den Norden, gegen Schweden, — und besonders nachWesten gegen Livland, Lithauen, und Polen, um die Mittel zu erlangenzur demnächstigen erfolgreichen Bekämpfung der mohamedanischenWeltim Süden.
§. 191.Krieg mit Schweden und dem livländisehen Orden (1554—61).
Der Krieg mit Schweden begann schon im Jahre 1554 in Folge vonGrenz-Streitigkeiten, welche leicht hätten in friedlicher Weise geschlich-tet werden können, wenn nicht der Schweden-König Gustav Wasaden Gebrauch des moskauischen Hofes, nicht direkt, sondern durch Ver-mittlung der Statthalter von Nowgorod mit ihm, zu verkehren, für er-niedrigend für sich angesehen hätte. Die Schweden hatten vergeblichOrjäschek belagert, die Russen Wyborg, dessen Umgegend sie grausamverwüsteten. Der schon sehr alternde Gustav Wasa, welcher keineHülfe von Seiten Lithauens und Polens fand, auf die er gerechnet hatte,war genöthigt Frieden zu erbitten, welcher nach dem Willen Jo-hann's unter der Bedingung des Loskaufs der gefangenen Schweden, un-entgeltlicher Freilassung der russischen Gefangenen, Wiederherstellungder alten Grenzen, wie des Verhältnisses des Königs von Schweden zuden nowgoroder Statthaltern, und freien gegenseitigen Handels-Verkehrs wie freien Durchzugs in die andern Reiche undGegenden abgeschlossen wurde. Diese letzteren Bedingungen hattenvon Johann's Seite einen wichtigen Zweck — wirksame Handels-Beziehungen mit West-Europa anzuknüpfen und ausserdem freien
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