454 HI- Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
Oberhaupt, den Nachkommen des Khalifen. Konnte das russische Reichnach derzeitiger Lage der Umstände, seiner Mittel und Kräfte einenKampf mit der Türkei wagen, ja auch nur daran denken? Die Ereig-nisse der folgenden 2 Jahrhunderte haben hinlänglich die ganze Schwie-rigkeit solches Kampfes selbst in der späteren Zeit gezeigt, wie vielschwerer wäre es zur Zeit Johann'sIV. gewesen! Und Letzterer hattebei seinem unzweifelhaft hervorragenden Verstände dies Alles wohl er-kannt, und machte daher keinen Fehler.
Dies zugegeben, kann man nur noch in eigentlich kriegerischer Be-ziehung bemerken, dass bei der Unmöglichkeit eines Angriffs-Krie-ges gegen die Krym doch die Notwendigkeit, ja die gebieteri-sche Pflicht vorlag, zu Maassregeln der Vertheidigung der russischenSüd-Grenzen zu greifen, dauerhaftere und stärkere Schutzmittel herzu-stellen, als die Verhaue an den Grenzen und was sonst damals Üblichwar. Die damaligen verschanzten Vertheidigungs -Linien und derenBeschützung waren unzulänglich: Verhaue nebst Verhau - Wachen,welche hauptsächlich zu Kundschafter- und Beobachtung^ - Dienst be-stimmt waren, konnten keinen Einfall der Krymzer abhalten, es musstendazu jedesmal eiligst und selten zur rechten Zeit Kriegs-Leims-Aufge-bote auf Zeit einberufen werden, und während diese sich sammelten,vermochten die Krymzer das russische Grenz-Gebiet zu verwüsten. Umsie aufzuhalten und abzuwehren, war eine Deckung der Grenze durcheine Reihe von befestigten Städten erforderlich, welche unter sich durchstark verschanzte Linien in Verbindung standen , mit starken ständigenGarnisonen belegt waren, und vor sich Grenz-Verhaue und Verhau-Stanitzen und Wachen hatten, nur zur Beobachtung, Erforschung understen Abwehr der Krymzer. Dies Alles wäre, so scheint es, möglichund nicht schwer gewesen: die Grenzstädte waren stärker und dauer-hafter zu befestigen, neue zu erbauen (was zum Theil sogar schon ge-schehen war), untereinander durch verschanzte Linien mit Erdwall undGraben zu verbinden, und die einen wie die anderen ständig mitStrelitzen und städtischen Kasaken zu besetzen. Von diesen waren jadie Ersteren schon eine Art von stehender Truppe, zum städtischenDienst verpflichtet, man hätte sie aber nur hauptsächlich oder aus-schliesslich an den Grenzen — und nicht in Moskau und den innerenStädten verwenden sollen. Städtische Kasaken gab es schon in allenGrenz- wie in den inneren Städten, sie hätten sich mit den Strelitzen inden beständigen Grenzdienst theilen können, dieVerhau-Stanitzen konn-ten die vordersten Späher und Beobachter sein, die Schutz-Wachen fürdie rückwärtsgelegenen Städte, Verschanzungs-Linien und deren Be-satzungen. Kurzum, der Schutz der Süd-Grenzen hätte in ähnlicherWeise organisirt werden sollen, wie er es zeitweise gegen die Türken