Bemerkenswertheste Kriege und Feldzüge. 437
gestanden hatte, unweit des Arskoer Thores, vor ihm ein Te Deum zufeiern, pflanzte eigenhändig das Kreuz auf dieser Stelle auf und ordnetedie in einem Tage auszuführende Erbauung einer hölzernen aus Balkengefügten Kirche, auf den Namen des Schweisstuches Christi an, wasauch ausgeführt wurde*). Nach dem Te Deum empfing Johann vonAllen Beglückwünschungen, Hess dann eine Strasse vom MuraljewschenThore zum Khan- (Zaren-)Hofe von Leichen reinigen, und ritt in dieStadt ein, die "Wojewoden undDworjanen der Zaren-Druschine vor ihm,die Fürsten Wladimir Andrejewitsch und Schig-Alej hinterihm, von den russischen Gefangenen, die er in das Lager des Heeresführen Hess, wurde er als Befreier begrüsst. Dann befahl er die bren-nenden Gebäude in der Stadt zu löschen. Alle in der Stadt vorgefunde-nen Schätze, die gefangenen "Weiber und Kinder überliess er den Sol-daten, für sich behielt er nur den gefangenen E di g e r, die Khans-Fahnenund die städtischen Geschütze. Nachdem er einige Zeit im Khans-Hofeverweilt, kehrte er ins Lager zurück, wo er vor Allem in seiner Feld-kapelle nochmals ein TeDeum anhörte, dann dankte er dem Heere, ver-sprach Allen Belohnungen, und setzte sich zu Tische.
Wie gross der Verlust des russischen Heeres an Todten und Ver-wundeten bei der Belagerung und Erstürmung von Kasan gewesen, istnicht'genau bekannt; sicherlich war er ausserordentlich bedeutend. »Inden letzten 3 Wochen« — sagt Kurbski —»war die Noth täglichgross: oft Hess uns der Feind keine Zeit, uns durch die noth dürftigsteNahrung zu stärken. Wie viele aber von denünsrigen getödtet und ver-wundet worden, vermag ich nicht genau anzugeben.«
So endete der berühmte letzte Feldzug gegen Kasan, die Belage-rung und Einnahme dieses Nestes und Schlupfwinkels der tatarischenKäuber, welche so lange Zeit dem russischen Eeiche keine Ruhe gelas-sen, seine Ostprovinzen furchtbar verheert und ausgesogen, ihm vielenSchaden zugefügt, und deren vollständige Ueberwindung so grosse An-strengungen und Opfer gekostet hatte.,
Diese Campagne von 1552, Belagerung und Eroberung von Kasansind ausser ihrer grossen politischen Wichtigkeit auch noch in militäri-scher Hinsicht von besonderem Interesse. Sie sind bemerkenswerthdurch ihre klugen, wohlgeregelten und richtigen Anordnungen undMaassnahmen, wie durch deren geschickte, tapfere und erfolgreiche
*) Diese Kirche lag etwas weiter von der Stadt-Enceinte entfernt, als die spä-er erbaute und noch heute im steinernen Spasski-Thurm des kasanschen Kremlvorhandene (heute militärische Kirche), nämlich wahrscheinlich in der Kichtung vomSpasski- (Erlöser)- zum Arskoer Thore, das in der äusseren Mauer lag, — wo heutedas Postamt und der Theaterplatz liegt.
Galitzin, Allgem. Kriegsgeschichte II. 2. 29