436 HI. Von Einführung der Feuerwaffen bis zum dreissigjährigen Kriege etc.
alsbald nahm der Kampf in der Stadt eine andere Wendung. Die zari-sche Druschine brach in die dichtgedrängten Kasanzer ein und veranlassteden an ihrer Spitze stehenden Ediger, sich in die Tesizer Schlucht*) zu-rückzuziehen. Hier auch geschlagen, warfen die Kasanzer sich in denKhans-Hof, der aus vielen weitläufigen steinernen und festen Gebäudenbestand, wo sie noch fast 1 1 / 2 Stunden verzweifelte Gegenwehr leisteten.Jetztbrachen, wie Kurbski erzählt, aus einer der 5 alten denKhans-Hofumgebenden Moscheen die Kasanschen Abäsen, Seity (nur Mahomed'sGeschlecht) und Mullah's hervor, ihren Gross-Emir Kulscherif-Mullah an der Spitze, und es begann bei der Tesizer Schlucht nebeuder Kulscherifschen Moschee ein furchtbarer Kampf zwischen ihnen undden russischen den Khans-Hof angreifenden Truppen. Kul s ch e ri f selberfand hierbei den Tod, die Seinigen sowie die mit Ediger im Khans-Hofe Befindlichen wurden nach verzweifelter Gegenwehr aus Hof undMoschee gedrängt und warfen sich nun in den unteren Theil der Stadtnach den Thoren zu. Hier aber schnitten Kurbski's Krieger ihnenden Weg ab, während von hinten die zarischen Druschinen und andereTruppen scharf nachdrängten. Auf den Leichen der Ihrigen, welche biszur Höhe der Stadtmauer lagen, gelangten sie in einen Thurm und be-gannen von hier aus zu rufen, dass sie in Unterhandlungen treten woll-ten. Die Russen stellten den Kampf ein, und die Kasanzer schrieen:»wir liefern Euch unsern Zaren lebendig aus, wir selber aber gehen mitEuch zum letzten Male im Felde zu kämpfen;« — und E d i g e r mit 3Grossen heraussendend, stiegen sie von der Mauer zum Ufer der Ka-sanka hinab. Hier aber von dem Feuer der russischen Geschütze er-reicht, wandten sie sich nach links die Kasanka hinab, warfen ihrePanzer ab und gelangten so, etwa noch 6000 Mann stark, über denFluss. Die Fürsten Andrei und Roman Kurbski jagten ihnen mitder Reiterei nach und hieben in ihre Reihen ein, wurden aber zurück-getrieben; Mikulinski aber, Glinski und Scheremetjef gelanges, sie gänzlich nieder zu werfen: fast alle wurden niedergehauen, nurwenige vermochten sich in den nächsten Wald zu retten, mit Wundenbedeckt. Dies war der letzte Schlag, welchen die Vertheidiger von Ka-san erlitten; hiernach blieb kein einziger Bewaffneter mehr im Orte übrig,denn Johann hatte befohlen, dass nur Weiber und Kinder geschontund gefangen genommen werden sollten.
Auf die Meldung, dass Kasan vollkommen eingenommen, befahlJohann, wo er mit dem Zaren-Banner während des ganzen Kampfes
*) Die Tesizer- oder Kaufmanns-Schlucht befand sieh zwischen dem heutigenKreml, dem städtischen Gemeindehause und dem Iwanow-Kloster. Hier waren dieTesizer Quergassen.