Beinerkenswertheste Kriege und Feldziige. 435
Bild des heiligen Sergius, empfing den Segen seines Geistlichen, stiegzu Pferde und eilte zum Heere.
Als er sich den Stadtmauern näherte, wehte bereits die russischeFahne von denselben. Die vordersten Abtheilungen hatten nach der zweitenExplosion sich kopfüber vorwärts gestürzt, die erste Betäubung der Ka-sanzer benutzt, und waren so fast widerstandslos in die Breschen undauf die Mauern gedrungen. Nach heftiger und blutiger, aber kurzerGegenwehr wurden die Kasanzer von Strasse zu Strasse zurückgedrängtnach der Mitte der Stadt. Sie leisteten verzweifelten Widerstand undstachen in der Dunkelheit und dem dichten Gedränge mit dem Messerauf die Küssen los. Eine Zeit lang konnten die russischen Truppen kei-nen Schritt vorwärts machen, endlich gelang es ihnen die Dächer derHäuser zu gewinnen und die Kasanzer von da aus zu vertreiben.
Aber in diesem entscheidenden Augenblicke scheiterte der Sturmfast an einem traurigen Missgeschick. Nach den Worten des Augen-zeugen Kurbski hatte gleich beim ersten Erfolge ein grosser Theil derStürmenden sich zum Plündern in die Häuser begeben und zu diesen hattensich die Trossknechte gesellt. Diese Beutesüchtigen (wie Kurbskisie nennt) waren schon zweimal mit ihrer Beute aus der Stadt ins Lagerzurückgeeilt, während die vordersten Truppen bis zur Erschöpfungkämpften und keinen Fuss breit vorwärts kamen. Endlich begannen diese,geschwächt durch die Gefallenen, Verwundeten, und zum Plündern sichZerstreuenden, und ausser Stande vor dem heftigen Andrang der Kasan-zer sich zu behaupten, allmählich zu weichen. Die allgemeine Verwir-rung wurde durch die Plündernden selbst vermehrt, welche den Rückzugihrer Vortruppen bemerkend, über die Stadtmauern entflohen mit demRufe: »sie machen Alles nieder!«
Johann, mit seinem Zaren-Banner und den 12000 Mann auserlesenerTruppen der zarischen Druschine nach der Seite des Arsko-Feldes vorder Stadt stehend, war über den Anblick und das Geschrei der Fliehen-den bestürzt. Er wähnte, dass die Kasanzer alle russischen Truppenaus der Stadt gedrängt hätten und grämte sich, dass alle seine bisherigenAnstrengungen erfolglos gewesen sein sollten. Aber schon liess Woro-tynski ihn bitten, die in der Stadt Kämpfenden durch seine zarischeDruschine zu unterstützen. Johann gab sofort Befehl, dass die Hälftederselben zur Stadt eile. Mit ihr vereinten sich die bei Johann befind-lichen Bojaren und Bojaren-Kinder. Er selbst stellte sich mit seinerFahne und der andern Hälfte der zarischen Druschine nahe dem ArskoerThore auf, dem Gange des Kampfes in der Stadt folgend.
Die so rechtzeitig geleistete Hülfe belebte einerseits die erschöpftenrussischen Truppen von Neuem, und erschütterte dagegen die Kasanzerdurch den Anblick der frischen Streiter mit glänzenden Rüstungen, und